Streiks und Technikprobleme
Boeing: Dreamliner landet noch später

Die schlechten Nachrichten aus der Luftfahrtindustrie reißen nicht ab: Der US-Flugzeughersteller Boeing muss die Auslieferung seines neuen Flaggschiffs „Dreamliner“ zum vierten Mal verschieben. Die erste Maschine werde nicht vor dem ersten Quartal 2010 ausgeliefert, teilte Boeing am Donnerstag mit. Der Erstflug werde nicht vor dem zweiten Quartal 2009 erfolgen.

MÜNCHEN. Neben Boeing kämpft auch Konkurrent Airbus mit seinen Auslieferungszielen für das Prestigeprojekt A 380, hält aber an dem Zeitplan für 2008 fest.

Boeing dagegen verschiebt die Dreamliner-Auslieferung erneut um ein halbes Jahr. Über die Verzögerung war bereits seit längerem spekuliert worden. Nach einem wochenlangen Streik der Mechaniker in der Endmontage hatte Boeing schon Mitte November angekündigt, dass der revidierte Zeitplan für den Dreamliner nicht mehr zu halten sei. Neben den Streikausfällen macht Boeing für die Verzögerung erneut Probleme mit den Nieten verantwortlich, die den Rumpf der aus Kohlefaser gefertigten Maschine zusammenhalten.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, zog der Konzern am Donnerstag personelle Konsequenzen. Der für den Dreamliner verantwortliche Manager Pat Shanahan übernimmt künftig die Leitung des gesamten zivilen Luftfahrtgeschäfts, die Amtsinhaberin Carolyn Corvi geht in den Ruhestand. Zudem tauschte Boeing den Vertriebschef der Sparte aus.

„Wir arbeiten jetzt hochkonzentriert am Erstflug“, sagte Shanahan. Er muss im kommenden Sommer ein halbes Dutzend Maschinen in der Luft halten, um die Flugzulassung für die Maschine zu bekommen. Boeing versucht, in Rekordzeit die Abnahme von der amerikanischen Luftfahrtbehörde zu bekommen, um weitere Verzögerungen auszuschließen.

Boeing kündigte an, in den kommenden Wochen mit den Kunden über den revidierten Zeitplan zu verhandeln, die finanziellen Auswirkungen würden noch geprüft. Die erste Maschine soll an All Nippon Airlines ausgeliefert werden, insgesamt existieren feste Bestellungen und Optionen für rund 900 Maschinen. Damit ist das Langstreckenflugzeug mit einer Kapazität von bis zu 300 Sitzplätzen die erfolgreichste Flugzeugeinführung der Geschichte.

Boeing-Konkurrent Airbus geht davon aus, seine Ziele für 2008 halten zu können. Airbus-Chef Tom Enders hatte angekündigt, in diesem Jahr mindestens 12 Großraumjets vom Typ A 380 an seine Kunden übergeben zu wollen. Auf Anfrage teilte ein Sprecher mit, das bislang aber nur neun Maschinen ausgeliefert worden sein. „Wir werden bis zum letzten Tag des Jahres produzieren“, heißt es in Toulouse.

Zwei Maschinen sollen in diesem Jahr noch an Qantas gehen, eine an Emirates, teilten die beiden Fluggesellschaften auf Anfrage mit. Die beiden Topkunden mussten bereits drei Verschiebungen hinnehmen, ein viertes Mal will Airbus auf jeden Fall verhindern. Bislang haben die Verzögerungen den Mutterkonzern EADS mindestens fünf Mrd. Euro gekostet.

Die Probleme der beiden Flugzeughersteller belasten die Industrie seit Jahren. Beide kämpfen immer wieder mit Pannen in Fertigung und Entwicklung. Gleichzeitig sitzen Airbus und Boeing auf den höchsten Auftragsbüchern der Industriegeschichte. Rund 7 000 Maschinen soll das Duopol in den kommenden Jahren ausliefern, die Fertigungskapazität der beiden Hersteller liegt bei nicht einmal 1 000 Flugzeugen pro Jahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%