Streit beim weltweit drittgrößten Autozulieferer
IG Metall zeigt ZF-Personalmanager an

Eskalation in der ZF-Betriebsratsaffäre: Die wegen Vorwürfen gegen den Betriebsratschef unter Druck stehende IG Metall zeigt einen Personalmanager des Autozulieferers an. Der Vorwurf: Behinderung der Betriebsratsarbeit.

DüsseldorfAm Anfang ging es um rund ein Dutzend Rechnungen, die ZF für seinen Betriebsrat beglichen hat – für Seminare, Zeitungen und Plakate. Kosten, für die der Automobilzulieferer aus Friedrichshafen am Bodensee womöglich unbegründet aufgekommen ist. Jetzt steht ein anderer Vorwurf im Raum – der Vorwurf der systematischen Bekämpfung von Gewerkschaften durch die Arbeitgeberseite. Beschuldigter ist der drittgrößte Automobilzulieferer der Welt – ZF. Beschuldigt von der größten Industriegewerkschaft Deutschlands – der IG Metall.

Der Staatsanwaltschaft Ravensburg liegt eine Strafanzeige der IG Metall gegen einen ranghohen namentlich genannten Manager des ZF-Personalressorts vor, bestätigte Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl dem Handelsblatt. Die Gewerkschaft beschuldige den Personalverantwortlichen der Behinderung der Betriebsratsarbeit beim drittgrößten Autozulieferer der Welt, der üblen Nachrede und der versuchten Nötigung.

Nach Angaben Diehls behaupte die Gewerkschaft in ihrer Anfang der Woche eingegangenen Anzeige, dass „durch das Verbreiten unwahrer Tatsachenbehauptungen und das Herausgeben interner Unterlagen ein Ermittlungsverfahren initiiert worden ist, um den Betriebsratschef zu schädigen.“ Bereits Anfang des Monats hatte die IG Metall eine erste Version des Schriftsatzes an die Staatsanwaltschaft geschickt, darin tauchten nach Angaben Diehls neben dem Personalverantwortlichen auch mehrere namentlich nicht genannte Vorstände des Konzerns auf. Später korrigierte die Gewerkschaft ihre Anzeige und zog die Beschuldigungen gegen die Konzernvorstände zurück. „Es läuft nun ein Ermittlungsverfahren, wir müssen den Vorwürfen nachgehen“, erklärte Diehl.

Hintergrund der Vorwürfe der IG Metall sind die Ermittlungen gegen den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden von ZF, Achim Dietrich-Stephan. Seit Juli prüft die Staatsanwaltschaft, ob der Arbeitnehmerchef sein Unternehmen betrogen hat, in dem er Rechnungen als sachlich richtig freigegeben und seinem Arbeitgeber zur Überweisung vorgelegt hat, die nichts mit der Arbeit des Betriebsrats zu tun gehabt, sondern nur der IG Metall genutzt haben sollen.

Am Montag ist die Gewerkschaft nun ihrerseits in die Offensive gegangen: Bei einer Betriebsversammlung hatte die Gewerkschaft die Mitarbeiter des Unternehmens über ihr Vorgehen informiert. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen beschuldigt die IG Metall den Personalverantwortlichen, eine Kampagne gegen den Betriebsratschef initiiert zu haben, um die Mitbestimmungskultur zu beschädigen. Es hieß, dass unter anderem der Vorwurf des „Union Bashing“ gefallen sei.

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