Streit der Autozulieferer
Conti wirft Schaeffler Blockadepolitik vor

Im Ringen um die Zukunft der hochverschuldeten Autozulieferer Schaeffler und Continental wird der Ton schärfer. Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann wirft der Schaeffler-Führung in einem Brief vor, sein Unternehmen zu lähmen – und fordert rasche Entscheidungen. Neuer Streit ist programmiert – offenbar auch in einem weiteren Punkt.

MÜNCHEN/HAMBURG. Der Machtkampf zwischen den hochverschuldeten Autozulieferern Schaeffler und Conti eskaliert. In einem Schreiben an Eigentümer und Führung von Schaeffler forderte Conti-Chef Karl-Thomas Neumann nach Handelsblatt-Informationen rasche Entscheidungen: „Ein weiteres Zuwarten ist nicht möglich.“ Während Schaeffler Verhandlungen mit internationalen Investoren führe, sei Conti blockiert. Das Unternehmen brauche aber ebenfalls frisches Eigenkapital.

Conti-Großaktionär Schaeffler sträubt sich gegen eine Kapitalerhöhung, weil dadurch die eigenen Anteile verwässert würden. Die Herzogenauracher halten direkt 49 Prozent an Conti, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt. Damit könnte Schaeffler die dringend benötigte Kapitalerhöhung bei Conti blockieren. Bei dem Hannoveraner Unternehmen werden aber in einem Jahr Kredite über 3,5 Mrd. Euro fällig. In Industriekreisen wurde am Dienstag betont, dass es neben einer Kapitalerhöhung auch andere Lösungen gebe – zum Beispiel die Suche nach einer Gesamtfinanzierung für beide Unternehmen.

Conti-Chef Neumann beklage in seinem Schreiben nun, dass Schaeffler keine konkreten Vorschläge für eine Fusion oder für eine Lösung des Kapitalbedarfs gemacht habe, heißt es in der Branche. Im Umfeld beider Unternehmen geht man davon aus, dass der Brief das Klima zwischen Herzogenaurach und Hannover weiter belasten wird. „Wir sind befremdet, dass solche Themen der vertraulichen internen Gespräche zwischen Schaeffler und Conti unmittelbar in die Medien gelangen und Anlass bieten zu schädlichen Fehlspekulationen“, hieß es bei Schaeffler.

Streit gibt es offenbar aber auch um die Bewertung Schaefflers bei der geplanten Fusion unter dem Dach der Continental AG. Neumann wies eine Bewertung Schaefflers mit mehr als zehn Mrd. Euro zurück. „Das wäre viel zu viel“, hieß es am Dienstag auch im Umfeld von Conti. Schaeffler betonte dagegen, bei den zehn Mrd. Euro handle es sich lediglich um die Berechnung einer Investmentbank. „Wir haben mit Conti noch nicht darüber gesprochen, zu welchem Wert Schaeffler in Conti eingebracht werden könnte.“ Für ein Bewertungsgutachten hätten bis vor kurzem noch Informationen über die Lage bei Conti gefehlt.

Das Drama um die geplante Fusion von Schaeffler und Conti steuert in den kommenden Wochen auf eine Vorentscheidung zu. Neumann will dem Conti-Aufsichtsrat auf einer Sitzung am 30. Juli zwei Lösungsvorschläge vorstellen: einen Integrationsplan für eine Fusion und eine Lösung der Finanzierungsprobleme ohne Schaeffler. Allerdings wäre für die zweite Alternative eine Kapitalerhöhung Voraussetzung.

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