Streit mit der Bundesregierung
Philip Morris fordert Gesetz zur Größe von Zigarettenpackungen

Einem Medienbericht zufolge droht der US-Tabakkonzern Philip Morris damit, einweiteres Werk in Deutschland zu schließen, sollte die Bundesregierung nicht eine größere Packungsgröße für Zigarettenschachteln gesetzlich festschreiben. Mit dieser Forderung will der Konzern auch seine Stellung bei einem internen Disput in der Tabakindustrie stärken.

HB BERLIN. Zwischen dem Tabakkonzern Philip Morris und der Bundesregierung deutet sich ein Streit an. Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstagausgabe) aus der Zigarettenbranche sowie aus dem Zigarettenverband verlangt der US-Konzern, dass die Bundesregierung die Packungen von heute 17 Stück auf mindestens 20 Zigaretten erhöht und dies per Gesetz festschreibt. Dadurch wären Preiserhöhungen möglich. Packungspreise von fünf Euro am Automaten wären dann bei entsprechend mehr Inhalt denkbar. Philip Morris drohe nun der Bundesregierung nach den Informationen damit, anderenfalls das Werk in Berlin mit rund 1 000 Mitarbeitern oder in Dresden mit rund 400 Beschäftigten dichtzumachen.

Unternehmensvertreter von Philip Morris kündigten dem Bericht zufolge bei einer Besprechung im Finanzministerium an, sie würden mit der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten Gespräche über die Schließung eines Werks aufnehmen, sollte bis Juni nicht in ihrem Sinne entschieden worden sein. Begründet werde die Forderung mit der Produktionstechnik in den Werken und mit dem Jugendschutz.

„Wir sind sehr verwundert darüber, warum die Einführung einer höheren Mindestpackungsgröße von so zentraler Bedeutung für den Bestand eines Werkes sein soll“, sagte Marianne Tritz, die Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbands. Sie bestätigte die Informationen. Eine Sprecherin von Philip Morris dementiert hingegen, dass die Vertreter des Konzerns eine Werkschließung ins Gespräch gebracht hätten.

Hintergrund ist auch ein interner Disput in der Tabakbranche: Während Philip Morris als eindeutiger Marktführer mit 37 Prozent Anteil Einschränkungen beim Rauchen und auch hohe Preise als Strategie verfolgt, fürchtet die Konkurrenz in dem Fall um ihr Geschäft. Firmen wie BAT oder Reemtsma wollten den Zugang zum Zigarettenverkauf offen und Packungsgrößen möglichst niedrig halten.

Philip Morris wird bereits das Werk in München bis Ende kommenden Jahres schließen. Betroffen davon sind dann rund 400 Beschäftigte. Der Konzern produziert in Deutschland zu etwa 60 Prozent für den Auslandsmarkt.

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