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Streit mit Groß-Investor: Hitzige Diskussion bei Apple-Zulieferer Balda

Die Aktionäre gingen auf einer hitzigen Hauptversammlung mit dem Aufsichtsrat des Medizintechnikproduzenten heftig ins Gericht, scheiterten aber mit der angestrebten Abwahl. Ein Beispiel für heutige Aktionärspolitik.

Balda AG in Bad Oeynhausen Wulferdingsen. Quelle: dpa
Balda AG in Bad Oeynhausen Wulferdingsen. Quelle: dpa

DüsseldorfMal lachten sie laut auf, mal schlugen die Balda-Aktionäre nur die Hände über dem Kopf zusammen. Was die Anteilseigner am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Medizinprodukte-Zulieferers und Apple-Lieferanten zu hören bekamen, war teils ungewollt witzig, und überschritt oft die Grenze zur Groteske. Mal wusste Aufsichtsratschef Michael Naschke nicht recht, welche Personen an Aufsichtsratssitzungen der Balda AG teilgenommen hatten, mal wollte er erklären, warum der chinesische Geschäftspartner Michael Chiang zwar im Protokoll stand, aber nicht anwesend war. Oft verloren sich seine Antworten einfach im Nichts.

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Der Finanzinvestor Octavian hatte in einer ersten Wortmeldung mehr als 100 Fragen an den Aufsichtsrat gestellt und griff sowohl Naschke als auch Chiang scharf an: „Herr Naschke, warum machen Sie sich zum Sprachrohr von Herrn Chiang? Warum lassen Sie Entscheidungen zu, die Balda und allen anderen Aktionären außer Herrn Chiang schaden?“ Octavian hält 8,3 Prozent an Balda und wollte den kompletten Aufsichtsrat abwählen lassen. Der Finanzinvestor wirft dem Kontrollgremium Parteilichkeit und schwere Fehler vor. Doch nach elf Stunden hitziger Debatte lehnten schließlich zwei Drittel des anwesenden Kapitals die Abwahl des dreiköpfigen Aufsichtsrats ab.

„Merken Sie nicht, wie jeder hier im Saal merkt, dass das hier muffelt?“, hatte zuvor etwa Aktionär Hans-Martin Buhlmann gefragt. Er vertrat rund drei Prozent der Aktien und machte Naschke schwere Vorwürfe. „Wenn ich das entscheiden könnte, dann würde ich Ihnen heute das Sitzungsgeld  streichen“, sagte er. „Sie sprechen, aber Sie geben keine Antworten. Ist Ihnen eigentlich klar, dass es hier um strafrechtlich relevante Fragen geht?“

Wenn Aufsichtsratschef Naschke die Vorwürfe trafen, dann ließ er sich dies nicht anmerken. Nonchalant ließ er jeden Redner so lang am Podium, bis dieser fertig war, dankte ihm und rief dann den nächsten auf. Er wies die Vorwürfe in regelmäßigen Abständen zurück.

Doch der Ton wurde immer schärfer. Bereits vor der außerordentlichen Hauptversammlung hatten Investoren kritisiert, dass der Aufsichtsrat von Balda den Aktionären einen Schaden von 350 Millionen Euro zugefügt hätte. Der damalige Balda-Vorstand Rainer Mohr wollte die Aktien an dem taiwanesischen Partnerunternehmen TPK wie angekündigt 2011 verkaufen, wurde aber vom Aufsichtsrat daran gehindert. Die Aktien haben seither rund 350 Millionen Euro ihres Wertes verloren.

Aktionäre vermuten, der Aufsichtsrat habe dies im Interesse des Balda-Großaktionärs Michael Chiang getan, dem Balda die TPK-Aktien später billiger zukommen lassen würde.  Zwei der drei Aufsichtsräte von Balda haben enge geschäftliche Verbindungen zu Chiang, einer der beiden ist direkt bei ihm beschäftigt. Aktionäre führten aus, dass Balda seit Jahren seltsame Geschäfte mit Chiang macht. Allein eine einzelne Transaktion habe für Chiang einen Vorteil von 790 Millionen Euro bedeutet. Ein Redner auf der Hauptversammlung sprach von den Handelnden auf Balda-Seite als „Strohmänner von Chiang“.

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