Streit mit Großaktionär
Kehraus im Aufsichtsrat von Kuka

Der Managerverschleiß beim notleidenden Roboterhersteller Kuka bleibt hoch. Nach Handelsblatt-Informationen wollen gleich vier Aufsichtsräte von der Kapitalseite nicht mehr weitermachen. Sie protestieren damit gegen eine Allianz zweier Großaktionäre, die den Vorstand rausschmeißen wollen. Doch die Großanleger lassen sich nicht aufhalten.

AUGSBURG. Der Führungswechsel beim angeschlagenen Roboterhersteller Kuka greift noch tiefer als angenommen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird auf der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag nicht nur der Chefkontrolleur Rolf Bartke seinen Rücktritt ankündigen. Auch die Aufsichtsräte Reiner Beutel, Helmut Leube und Herbert Meyer nehmen ihre Hüte. Die Großaktionäre Grenzebach und Guy Wyser-Pratte erhalten damit für die Neubesetzung der Kapitalseite des Aufsichtsrats völlig freie Hand. Grenzebach und Kuka wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Grenzebach, ein Mittelständler und langjähriger Kunde von Kuka, der knapp 30 Prozent der Kuka-Aktien hält, ist bereits mit zwei Sitzen im Aufsichtsrat des Augsburger Roboterherstellers vertreten. Grenzebach-Chef Bernd Minning besetzt den einen, der ihm nahestehende Investmentbanker Till Reuter den anderen. Nun wird Grenzebach drei weitere Kandidaten vorschlagen: Uwe Ganzer, der Vorstandschef der Varta AG, ist vor allem wegen als Jurist und Finanzfachmann gefragt. "Die wichtigste Aufgabe des Aufsichtsrats wird erst einmal sein, Ruhe in das Unternehmen zu bringen", sagte Ganzer. Zu seinen konkreten Plänen wollte er sich mit Hinweis auf die bevorstehende Sitzung nicht äußern.

Die anderen Kandidaten auf der Vorschlagsliste von Grenzebach heißen Uwe Loos und Dirk Abel. Loos gilt mit seiner Vergangenheit als Produktionsvorstand von Porsche und Vorstandsvorsitzender der FAG Kugelfischer AG und der Dekra AG als ausgezeichneter Kenner der Autobranche. Hier erwirtschaftet Kuka 70 Prozent des Umsatzes. Dirk Abel ist Professor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und soll als Leiter des Instituts für Regelungstechnik für mehr Fachkunde im Aufsichtsrat sorgen.

Der sechste und letzte Platz auf der Kapitalseite des Aufsichtsrats ist für Guy Wyser-Pratte bestimmt. "Ich habe mich entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen", sagte er dem Handelsblatt. Der US-Investor hält dem Kuka-Vorstand vor, zu langsam auf die Branchenkrise reagiert zu haben. Der neue Aufsichtsrat wird deshalb den Vorstandsvorsitzenden Horst Kayser und dem Finanzvorstand Matthias Rapp das Vertrauen entziehen und beide austauschen.

Dem alten Aufsichtsrat wirft Wyser-Pratte vor, sich zu sehr von dem wirtschaftlichen Schicksal von Kuka abgegrenzt zu haben. Er habe Bartke mehrfach vorgeschlagen, ein Anreizsystem entwickeln zu lassen, bei dem die Aufsichtsräte davon profitieren, wenn es Kuka gut geht. Stattdessen wurde eine solche Regelung abgeschafft. Als Bartke 2005 zu Kuka kam, wurde das Fixum für Aufsichtsräte von 6 000 Euro auf 30 000 Euro erhöht. Bartke erhält als Aufsichtsratsvorsitzender 165 000 Euro - auch wenn der Kurs fällt und das Unternehmen rote Zahlen schreibt.

Nun muss er auf Druck von Wyser-Pratte und Grenzebach gehen. Die Großaktionäre hatten mit einer außerordentlichen Hauptversammlung gedroht, sollte Bartke bleiben.

Der totale Führungsschnitt bei Kuka erfolgt in einer existenzgefährdenden Krise. Kuka verzeichnete im ersten Halbjahr 2009 ein operatives Minus (Ebit) von 23 Mio. Euro. Ein Bankenkonsortium unter Führung der LBBW hat Ernst & Young mit einem Restrukturierungsgutachten beauftragt - wegen gebrochener Kreditklauseln hätten die Banken die Möglichkeit, Forderungen in Höhe von 305 Mio. Euro fällig zu stellen. Dies kann laut Unternehmenskreisen wohl abgewendet werden. Doch der Streit in dem Konzern mit 1,3 Mrd. Euro Umsatz zeigt tiefe Spuren. Führungskräfte haben das Unternehmen reihenweise verlassen - Mitarbeiter berichten, die Mannschaft sei vollkommen verunsichert und komme kaum noch zum Arbeiten.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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