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Streit über Sozialplan: Karmann steht vor der Zerreißprobe

Der Autozulieferer Karmann gerät unter Druck. Nach der Trennung von der Sparte Fahrzeugbau fordern Betriebsrat, Gewerkschaft und Politik den Weg für einen Sozialplan für die rund 1 725 betroffenen Mitarbeiter frei zu machen. Die Entschädigungszahlungen könnten die finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens übersteigen.

Die Mitarbeiter des niedersächsische Autozulieferer Karmann warten auf einen Sozialplan. Foto: AP Quelle: ap
Die Mitarbeiter des niedersächsische Autozulieferer Karmann warten auf einen Sozialplan. Foto: AP Quelle: ap

HANNOVER. Die Trennung von der Traditionssparte Fahrzeugbau belastet die Zukunft des niedersächsischen Autozulieferers Karmann schwerer als bislang bekannt. Das mittelständische Unternehmen sieht sich offenbar finanziell nicht in der Lage, den Sozialplan in der von den Arbeitnehmervertretern geforderten Höhe zu stemmen und verweigert zudem den nötigen Beitrag zu einer staatlich geförderten Transfergesellschaft. Eine Einigung sei nicht in Sicht, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. „Wir liegen weit auseinander“, hieß es. Karmann wollte sich dazu nicht äußern.

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Vor der heutigen Sitzung des Karmann-Aufsichtsrats setzten Betriebsrat, Gewerkschaft und erstmals auch die Politik die Familiengesellschafter unter Druck, den Weg für einen Sozialplan frei zu machen. Dabei geht es um die finanzielle Entschädigung und um berufliche Qualifizierungsprogramme für die bis zu 1 725 vom Ende des Fahrzeugbaus betroffenen Mitarbeiter. Erste Kündigungen stehen für Januar an.

Die Niedersachsen erwirtschafteten bisher einen großen Teil ihres Jahresumsatzes von zuletzt 1,5 Mrd. Euro mit der Auftragsfertigung für Autohersteller wie Mercedes. Folgeaufträge konnten sie jedoch nicht gewinnen. Der Umsatz soll nach Aussage von Firmenchef Peter Harbig nach der Schließung der Sparte auf 500 Mio. Euro schrumpfen.

Karmann droht in dieser prekären Lage eine Zerreißprobe. Die Hängepartie am Verhandlungstisch erschwert eine Lösung für das Gesamtunternehmen. „Niemand investiert in einen Laden, bei dem die Folgekosten nicht absehbar sind“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Im Auftrag der Gesellschafter loten derzeit Investmentspezialisten Möglichkeiten wie einen Verkauf von Karmann oder von Unternehmensteilen aus. Die Eigentümerfamilien Battenfeld, Boll und Karmann, die das Unternehmen über eine Kommanditgesellschaft kontrollieren, bevorzugen nach eigenen Angaben eine Partnerschaft.

Parallel versucht Firmenchef Harbig, die verbleibenden Sparten Dachsysteme, Fahrzeugentwicklung und Produktionsplanung zu einem eigenständigen Zulieferer auszubauen. Erschwert wird der Kurswechsel durch die Finanz- und die Autokrise. Harbig hat bereits weitere Produktionskürzungen ins Auge gefasst.

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