Streit über Zukunftspakt VW-Betriebsrat macht Management schwere Vorwürfe

VW kommt nicht zur Ruhe: Der Zukunftspakt des Konzerns sorgt für tiefe Zerwürfnisse zwischen Betriebsrat und Management. Die Arbeitnehmer werfen Markenchef Herbert Diess schweren Vertrauensbruch vor.
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Die Arbeitnehmerseite wirft VW-Markenchef Herbert Diess den Bruch von Vereinbarungen vor. Quelle: dpa
Herbert Diess

Die Arbeitnehmerseite wirft VW-Markenchef Herbert Diess den Bruch von Vereinbarungen vor.

(Foto: dpa)

HamburgDas erst vor kurzem beschlossene Sparpaket der Volkswagen-Kernmarke sorgt innerhalb des Unternehmens für neuen Streit. Der Betriebsrat des Autobauers droht dem Management in einem Brief, den mühsam ausgehandelten Plan platzen zu lassen.

Ein Sprecher des Betriebsrates bestätigte am Mittwoch die Existenz eines solchen Briefes. Das „Manager-Magazin“ hatte zuvor darüber berichtet. Die Arbeitnehmerseite wirft VW-Markenchef Herbert Diess den Bruch von Vereinbarungen vor. Unter anderem habe Diess einen Stopp des in bestimmten Bereichen vereinbarten Personalaufbaus angeordnet. Das verstoße gegen Abmachungen, hieß es in dem Brief.

Der Vorstand unterlaufe mit seinem Handeln die Beschlüsse des „Zukunftspaktes“, so der Vorwurf. Er setze damit gegenüber dem Betriebsrat auf Konfrontation anstatt auf Konsens. So lasse der Vorstand keine Gelegenheit aus, die im „Zukunftspakt“ vereinbarte Zahl von 980 Zeitarbeitskräften, die bis Ende 2017 abgebaut werden soll, infrage zu stellen.

„Es ist richtig: Kaum ist die Tinte unter den Verträgen trocken, wird hier seitens des Markenvorstands eklatant gegen Vereinbarungen und Geist des Zukunftspaktes verstoßen“, sagte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats auf Anfrage. „Damit ist die Vertrauensbasis, die es zur Umsetzung des Zukunftspaktes braucht, schwer vom Vorstand beschädigt worden.“

Auch von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann – Mitglied des VW-Aufsichtsrats – kam Kritik: „Einen verbindlich geschlossenen Pakt einfach so zu hintergehen, ist nicht akzeptabel.“ Er fordere Diess auf, sich an den vereinbarten Rahmen zu halten.

Das Unternehmen zeigte sich zunächst unbeeindruckt. „Der Zukunftspakt wird erfolgreich umgesetzt“, teilte ein Sprecher mit. „Davon sind wir unverändert fest überzeugt.“ Auf dem Weg werde es auch Diskussionen mit unterschiedlichen Positionen geben, die aber gemeinsam geklärt würden.

So viel kassierten die VW-Bosse 2016
Platz 9: Frank Witter
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Frank Witter ist seit 1992 bei VW. Seit Oktober 2015 ist er für den Geschäftsbereich „Finanzen und Controlling“ zuständig. Sein Gehalt stieg – auch aufgrund des neuen Postens – von 940.000 Euro auf gut 3 Millionen Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 8: Rupert Stadler
2 von 9

Das Aufsichtsratsmitglied vom FC Bayern München Rupert Stadler ist seit 2010 Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Zudem ist der Manager Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Seine Vergütung sank 2016 um mehr als eine Million Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 7: Jochem Heizmann
3 von 9

Wirtschaftsingenieur Jochem Heizmann ist seit 1991 bei Volkswagen. Seit 2012 ist er für den Geschäftsbereich „China“ zuständig. Im vergangenen Jahr ging seine Vergütung um gut eine Million Euro zurück.
Gehalt: 1,2 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 6: Francisco Javier Garcia Sanz
4 von 9

Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz arbeitet seit 1993 für VW. 1996 wurde er Mitglied des Vorstands der Marke „Volkswagen Pkw“ und 2001 der Volkswagen AG. Dort ist er zuständig für den Bereich „Beschaffung“. Auch bei ihm sanken 2016 die Bezüge um rund eine Million Euro.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 5: Andreas Renschler
5 von 9

Andreas Renschler war bis 2014 Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Im Februar 2015 wechselte der Stuttgarter zu VW und ist dort für den Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge verantwortlich. 2015 hatte er durch eine Kompensation aufgrund seines Arbeitgeberwechsels noch 15,6 Millionen Euro kassiert.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 4: Herbert Diess
6 von 9

Der österreichische Manager arbeitet seit 2015 für die Volkswagen AG und ist Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw. Auch er wurde 2015 für den Arbeitgeberwechsel entschädigt und erhielt 7,2 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr waren es fast vier Millionen Euro weniger.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 3: Karlheinz Blessing
7 von 9

Der Manager ist seit Januar 2016 für den Bereich Personal und Organisation verantwortlich. In dieser Funktion muss der 59-Jährige derzeit den geplanten Stellenabbau im Rahmen des Zukunftspaktes umsetzen. Ein Vergleichsgehalt für 2015 liegt nicht vor.

Gehalt: 1,4 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Mit dem „Zukunftspakt“ getauften Sparprogramm soll die renditeschwache Kernmarke des Wolfsburger Konzerns auf mehr Profit getrimmt werden. Dazu sah der Pakt bis 2025 unter anderem die Streichung von bis zu 30.000 Jobs weltweit vor. Der Autobauer will dies ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen – etwa über eine stärkere Nutzung von Altersteilzeit.

Zudem sollen 9000 Stellen etwa für Software-Entwickler geschaffen werden - per Saldo verringert sich der Abbau in Deutschland so auf 14.000 Arbeitsplätze. In dem Pakt spiegelt sich auch der nötige Umbau von Volkswagen in Richtung Elektromobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen wider.

Betriebsrat und Management hatten über Monate um die Details gerungen – mit anfangs erheblichen Misstönen zwischen Diess und Betriebsratchef Bernd Osterloh. Dabei ging es um inhaltliche Fragen, aber auch um die Art der Kommunikation und die Form der Zusammenarbeit.

  • rtr
  • dpa
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