Streit um 35-Stunden-Woche
IG Metall lehnt längere Arbeitszeit bei VW ab

Die IG Metall hat ihre Ablehnung einer 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich bei VW bekräftigt. VW hatte am Montagabend nach langen Spekulationen endlich die geplanten Sanierungsmaßnahmen vorgestellt. So soll etwa die Arbeitszeit von 28,8 auf 35 Stunden ohne Lohnausgleich angehoben werden.

HB WOLFSBURG. „Die Pläne sind nicht zu Ende gedacht und nicht zum Lösen der Probleme geeignet“, sagte IG-Metall-Sprecher Jörg Köther am Dienstag. Die Gewerkschaft werde sich zudem von VW nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Viele der Probleme des Wolfsburger Autobauers seien seit langem bekannt und hätten auch ohne Tarifänderung bereits in Angriff genommen werden können. Als Beispiel nannte er eine effizientere Arbeitsgestaltung. Die Gewerkschaft verweist zudem darauf, dass VW bereits jetzt Schwierigkeiten hat, seine Werke auszulasten.

VW hatte am Montagabend nach monatelangen Spekulationen über die geplante Sanierung der ertragsschwachen Marke Volkswagen erstmals die Karten auf den Tisch gelegt. In einem Sondierungsgespräch erklärte VW der Gewerkschaft, die seit 1994 geltende Arbeitszeit von 28,8 auf 35 Stunden ohne Lohnausgleich anheben zu wollen. Arbeitsdirektor Horst Neumann deutete ferner ein Festhalten am Personalabbau und Einschnitte in der Komponentenfertigung an.

Nach Ansicht der IG Metall brachte das Gespräch keine Klarheit. Die Pläne von VW passten „hinten und vorne nicht zusammen“, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine. Das Konzept sei unausgegoren. Deshalb werde es derzeit keine Tarifverhandlungen geben.

Beide Seiten wollen weiter miteinander beraten und haben ein zweites Sondierungsgespräch vereinbart. Der genaue Termin steht noch nicht fest, er soll jedoch noch vor der Sommerpause stattfinden. Erst danach wolle die Gewerkschaft entscheiden, ob sie Tarifverhandlungen mit VW aufnehmen werden oder nicht.

Bei VW gilt der Zukunftstarifvertrag von November 2004, in dem VW der Gewerkschaft eine Beschäftigungsgarantie für die über 100 000 Arbeitnehmer in den westdeutschen Werken bis 2011 zusicherte. Neumann betonte, VW wolle den Vertrag nicht kündigen, aber es werde „sehr schwer“, die Zahl von 100 000 zu halten. Früheren Angaben zufolge könnten von dem Umbau bis zu 20 000 Arbeitsplätze betroffen sein.

Die Arbeitnehmervertretung wies darauf hin, dass die Vier-Tage-Woche bei VW längst nicht mehr uneingeschränkt gilt. Mit der Tarifeinigung von 2004 hatte der Konzern bereits die Abkehr vom teuren Haustarifvertrag mit 28,8 Wochenstunden eingeleitet. Für Neueinstellungen können seither andere Bedingungen vereinbart werden. Der alte Haustarif sicherte den VW-Beschäftigten Einkommensvorteile von 20 Prozent im Vergleich zur Metallbranche und von elf Prozent gegenüber deutschen Konkurrenten zu.

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