Streit um Bieter
Gezerre um Opel provoziert neuen Konflikt

Im Rennen um Opel bahnt sich ein Konflikt zwischen dem US-Autokonzern GM und der Politik sowie Beschäftigten in Deutschland an. Während Bund, Länder und Opel-Belegschaft einen Einstieg des Autozulieferers Magna bevorzugen, favorisiert die ehemalige Opel-Mutter GM Kreisen zufolge den Finanzinvestor RHJ.

HB FRANKFURT/BERLIN. Ein Geschäft mit dem belgischen Investor sei aus GM-Sicht einfacher, sagte eine mit dem Verkaufsprozess vertraute Person am Freitag zu Reuters. RHJ benötige für einen Einstieg bei Opel weniger Steuergeld und dieses könne schneller wieder zurückgezahlt werden. Der Finanzinvestor komme Interessen von GM eher entgegen, sagte die Person, ohne Details zu nennen.

Die Bundesregierung hat dagegen nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm eine „gewisse Präferenz“ für Magna. Ähnlich hatte sich bereits Kanzlerin Angela Merkel geäußert. Auch die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Werken bevorzugen den österreichisch-kanadischen Autozulieferer. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers betonte, GM könne die Zukunft von Opel nicht alleine entscheiden. „Die dürfen nicht glauben, dass sie alles nach Belieben so machen können, wie sie es wollen.“ Bund und Länder spielen bei der endgültigen Entscheidung eine wichtige Rolle, weil alle Bieter von ihnen Bürgschaften für milliardenschwere Kredite für Opel haben wollen.

Viel Zeit bleibt den Opel-Bietern nicht mehr, die Entscheidungsträger von ihren Plänen zu überzeugen. GM hat den Interessenten für die Abgabe ihrer Gebote eine Frist bis Montagabend gesetzt, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Den Kreisen zufolge will GM dann bereits Anfang kommender Woche einen Favoriten auswählen. Nach einer internen Abstammung seien für den Rest der Woche Beratungen mit Bund, Bundesländern, der EU und anderen europäischen Opel-Ländern geplant. In der letzten Juliwoche solle dann dem GM-Aufsichtsgremium und der US-Regierung als GM-Hauptaktionär eine Empfehlung präsentiert werden. Danach soll die deutsche Opel-Treuhandgesellschaft - sie hält die Mehrheit an Opel - über die Konzepte entscheiden.

Aus Sicht der Bundesregierung ist der Verkaufsprozess noch offen. Allerdings seien RHJ und Magna in den Verhandlungen weiter als der dritte Opel-Interessent, der chinesische Hersteller BAIC, sagte Regierungssprecher Wilhelm. Dem Bund dürfte seine Entscheidung vor allem anhand der langfristigen Perspektiven für Opel und dem Umfang der von den Investoren geforderten Staatshilfen treffen.

Während Magna 4,5 Mrd. Euro an Hilfen fordert, will RHJ mit 3,8 Mrd. auskommen. Magna will langfristig an Opel beteiligt bleiben und mit dem Autobauer zusammen mit russischen Partnern vor allem den dortigen Markt erschließen. Auch RHJ ist nach eigenem Bekunden an einem längerfristigen Investment interessiert. Oft steigen Finanzinvestoren nach wenigen Jahren aus ihren Investments wieder aus. Für diesen Fall ist Kreisen zufolge ein Rückverkauf an GM denkbar. Dabei könne RHJ den Preis bestimmen.

Eine Rückkehr in den Schoß der früheren Mutter fürchten die Opel-Beschäftigten. „Was wir brauchen, ist ein ordentlicher industrieller Partner, der ein Interesse an einem langfristigen Geschäft und an der Zukunft von dem Unternehmen hat“, sagte Betriebsratschef Klaus Franz zu Reuters. Er sieht RHJ lediglich als „Steigbügelhalter von GM“.

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