Streit um Emissionen
DUH wirft Renault zu hohe Abgaswerte vor

Nach Opel hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun auch Renault wegen angeblich erhöhter Abgaswerte kritisiert. Doch Prüfer distanzieren sich von den Attacken der nichtstaatlichen Organisation.

BerlinDie Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat nach Opel nun auch den französischen Autobauer Renault wegen angeblich deutlich erhöhter Abgaswerte scharf kritisiert. Bei einem von der DUH in Auftrag gegebenen Emissionstest an der Berner Fachhochschule in der Schweiz habe das 2015er Modell Espace 1.6 dCi, das die strenge Euro-6-Norm einhalten soll, die zulässigen Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxid (NOx) in einigen Fällen um das bis zu 25-fache überschritten. Dabei handele es sich um Messungen im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) mit warmem Motor, teilte die nichtstaatliche Umweltorganisation am Dienstag in Berlin mit.

Renault bestritt, dass die Schlussfolgerungen der DUH zutreffen. In einer schriftlichen Stellungnahme teilte der französische Hersteller am Dienstagnachmittag mit, der Espace halte wie alle anderen Renault-Fahrzeuge die geltenden Vorschriften ein. Die angewandten Tests stimmten nicht alle mit der europäischen Gesetzgebung überein und wiesen eine deutliche Streuung auf. Das mache, wie im Bericht selber stehe, „zusätzliche Messungen“ erforderlich und könne nicht als hieb- und stichfeste Aussage angesehen werden. Im August habe der ADAC den Espace getestet und die Ergebnisse veröffentlicht : Danach halte der Wagen die EU-Normen ein.

Die DUH, von der FAZ kürzlich als „Krawallhilfe“ bezeichnet, hatte bereits im Oktober - unabhängig vom Abgas-Skandal bei Volkswagen - ähnliche Vorwürfe gegen Opel erhoben, die das Unternehmen jedoch zurückwies, und den Gegenbeweis antrat. So hatten die Rüsselsheimer im Beisein des TÜV Hessen einen Zafira mit 1,6-Liter-Dieselmotor einer Abgasmessung auf einem Vier-Rollen-Prüfstand unterzogen, bei welcher die Hinterräder betrieben werden. Hierbei wurden gesetzeskonforme Abgaswerte erzielt. 

„Verzerrt, unvollständig oder tendenziös“

Die Abgas-Prüfstelle der Fachhochschule Bern (AFHB), die die Werte im Auftrag ermittelt hatte, distanzierte sich von den Vorwürfen der DUH in Richtung Opel. „Die Fakten könnten aus unterschiedlichen Gründen verzerrt, unvollständig oder tendenziös sein“, schrieb Fachhochschul-Chef Professor Jan Czerwinski. Das Testprogramm sei von der Deutschen Umwelthilfe selbst geleitet worden, nicht von der AFHB.

Abgaswerte von Fahrzeugen stehen derzeit besonders auf dem Prüfstand, nachdem VW zugegeben hat, in Millionen Dieselfahrzeugen eine Software zur Manipulation von Abgastests eingesetzt zu haben. Das Kraftfahrt-Bundesamt prüft derzeit auch die Schadstoffwerte vieler anderer Hersteller. Manipulationen von Testergebnissen wie bei VW schlossen die Autobauer strikt aus.

Opel hatte bei dem Test des Zafira moniert, dass die DUH nicht transparent und unseriös agiere. Sie stelle Behauptungen auf, ohne trotz mehrfacher Aufforderung die angeblich gemessenen Werte zur Verfügung zu stellen.

Einnahmen durch Bußgelder und Klagen

Die DUH mahnt in großem Umfang Autohändler kostenpflichtig ab, die sich in Verkaufsanzeigen nicht peinlichst an die Energiekennzeichnungsvorschriften halten. In seinem Jahresbericht 2014 erklärt der Verein seine Finanzierung u.a. mit „Einnahmen des Verbraucherschutzes, die zum größten Teil aus der Kontrolle von Unternehmen stammen, die gegen die Regeln der Energieverbrauchskennzeichnung verstoßen haben. Zuwendungen von Justizbehörden, sogenannte Bußgelder, tragen ebenso zu den Einnahmen bei“.

Unlängst hatte die DUH vor Gericht Klage gegen Köln, Bonn, Aachen, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Frankfurt am Main und Stuttgart eingelegt, wegen angeblicher Überschreitung der Grenzwerte für die Stickstoffdioxidbelastung durch Autoabgase in den jeweiligen Innenstädten ein.

Außerdem strengte sie Vollstreckungsverfahren gegen das bayerische und das hessische Umweltministerium an, weil Darmstadt, München und Wiesbaden, die bereits gegen die DUH wegen zu hoher Luftqualitätswerte vor dem Kadi verloren hatten, ihre Umweltschutzpläne trotzdem bisher nicht entsprechend geändert hätten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Frank G. Heide
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