Aufatmen bei der Norddeutschen Affinerie. Das Bundeskartellamt hat der Hamburger Kupferhütte einen ungeliebten Großaktionär vom Hals geschafft. Der Mischkonzern A-Tec muss seine Anteile verkaufen. Dessen Chef, Mirko Kovats, will sich aber mit der Entscheidung nicht abfinden.
rtr DÜSSELDORF/HAMBURG. Die Norddeutsche Affinerie (NA)
wird ihren ungeliebten Großaktionär Mirko Kovats mit Hilfe des Bundeskartellamts los. Die Kartellwächter ordneten am Donnerstag an, dass der von Kovats geführte Mischkonzern A
-Tec
alle Anteile an Europas größter Kupferhütte aus wettbewerbsrechtlichen Gründen verkaufen muss.
Bereits der von Kovats erworbene Anteil von 13,75 Prozent erlaube ihm einen "wettbewerblich erheblichen Einfluss" auf den Hamburger Konzern. Beide Unternehmen zusammen hätten den Markt für sogenannte sauerstofffreie Kupferstranggussformate beherrscht. Kovats' Industrieholding verfügt im österreichischen Brixlegg über eine Kupferproduktion. Die Beteiligung entspricht aus Sicht der Kartellbehörde "de facto" einer Sperrminorität. Damit hätte Kovats wichtige Entscheidungen auf Hauptversammlungen der Norddeutschen Affinerie
blockieren können.
Kovats kündigte rechtliche Schritte gegen die Kartellamtsentscheidung an. Die Eigentumsrechte der A
-Tec
würden "willkürlich" beschnitten. Kovats hatte sich mit der NA
einen Machtkampf um die Übernahme der Kupferhütte Cumerio
geliefert. Der Österreicher war im vergangenen Jahr bei dem belgischen Unternehmen eingestiegen und hatte seine Beteiligung auf eine Sperrminorität aufgestockt. Im Gegenzug für den Verkauf seiner Anteile verlangte er mehr Einfluss bei der NA
und strebte zwei Aufsichtsratsmandate an, was das NA
-Kontrollgremium
aber ablehnte.
Nach monatelangem Tauziehen gab Kovats schließlich Mitte Februar auf und akzeptierte das Übernahmeangebot der NA
von 30 Euro je Anteilschein. Damit war die NA
mit ihrer knapp 780 Millionen Euro schweren Offerte am Ziel. Nach Ablauf der Annahmefrist verfügten die Hamburger über mehr als 90 Prozent an Cumerio.
Sie wollen sich das belgische Unternehmen nun ganz einverleiben haben deren Eignern bis 12. März eine weitere Frist gesetzt, bis zu der das Übernahmeangebot gilt. Sollte bis dahin die Schwelle von 95 Prozent erreicht werden, will die NA
die restlichen Anteilseigner im Wege eines Squeeze-Out-Verfahrens per Abfindung hinausdrängen.
Erst vor wenigen Wochen hatte die Stadt Hamburg fünf Prozent plus eine Aktie an der NA
erworben, um den Standort der Kupferhütte in der Hansestadt zu sichern. Um den Einfluss ihres Großaktionärs Kovats zu begrenzen, hatte die NA
zudem ihre Hauptversammlung vorgezogen. Die Aktionäre sollen auf ihrem Treffen am Freitag eine Satzungsänderung beschließen, durch die wichtige Entscheidungen künftig mit 75 Prozent statt wie bisher mit 50 Prozent der Aktionärsstimmen gefasst werden können.

