Streit um Prestigebau

Hochtief baut Elbphilharmonie zu Ende

Der Baukonzern Hochtief und die Stadt Hamburg haben sich geeinigt. Das Unternehmen baut die Elbphilharmonie zu Ende. Doch für den Konzern ist das fast egal: Der Imageschaden ist schon jetzt immens.
Update: 05.07.2012 - 10:53 Uhr 9 Kommentare

Hamburg schüttet Millionen in die Elbe

Frankfurt/DüsseldorfDie umstrittene Elbphilharmonie wird vom Baukonzern Hochtief fertiggestellt. Die Stadt Hamburg und das Unternehmen hätten sich geeinigt, sagte ein Sprecher der Kulturbehörde und bestätigte damit entsprechende Berichte des „Hamburger Abendblatts“ und des „NDR“.

Der Senat hatte dem Unternehmen nach Streitigkeiten um den Weiterbau eine Frist bis Mittwoch gesetzt, um die Arbeiten wieder aufzunehmen. Hochtief habe fristgerecht und zufriedenstellend geantwortet, sagte der Sprecher.

Details über die vereinbarten Punkte sollten am Mittag verkündet werden. Unter anderem soll Hochtief zugesagt haben, das umstrittene Dach endlich fertigzustellen. Als neuer Gesamtfertigstellungstermin werde Mitte 2015 angepeilt. Die Tätigkeiten auf der Baustelle ruhen seit acht Monaten, weil sich die Stadt und Hochtief über die Sicherheit der Dachkonstruktion streiten.

Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) forderte von Hochtief eine bedingungslose Zusage, das Saaldach zu Ende zu bauen. Außerdem müsse das Schiedsgerichtsverfahren, dem Hochtief zu einem früheren Zeitpunkt bereits zugestimmt habe, endlich auf den Weg gebracht werden. Es soll sämtliche Rechtsstreitigkeiten um Mehrkosten und Bauzeitverlängerungen klären.

Im Streit um die Ausführungsplanung der gesamten Haustechnik hat die Stadt Hochtief zwei Varianten vorgeschlagen: Entweder übernimmt die Stadt diese Arbeiten allein oder Hochtief zusammen mit den Architekten Herzog & de Meuron. Außerdem soll ein endgültiger Zeitplan vorgelegt werden.

Bis gestern hatte der Konzern Zeit, gegenüber der Stadt Hamburg zu erklären, wie es mit dem Chaosbau nun weitergehen soll. Eine Entscheidung wurde am Abend kurzfristig vertagt. Man habe noch Gesprächsbedarf, teilten beide Seiten mit.

Die Stadt und Hochtief liegen seit Jahren im Clinch. Eigentlich sollte das Konzerthaus bereits 2010 fertig sein und die Kosten waren mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt. Mittlerweile liegen sie aber bereits bei mindestens 320 Millionen Euro und das Haus wird erst 2015 fertig.

Ein erstes Ultimatum war Ende Mai verstrichen, ohne Ergebnis. Zwar hatte Hochtief erklärt, man werde in den strittigen Punkten Alternativen präsentieren. Aber im Kern will der Konzern hart bleiben und nicht klein beigeben. „Wenn der Vertrag gekündigt würde, dann ist das eben so. Wir haben uns auf diesen Fall vorbereitet“, sagte Frank Stieler, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Klare Zuständigkeiten
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9 Kommentare zu "Streit um Prestigebau: Hochtief baut Elbphilharmonie zu Ende"

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  • Blödsinn was Sie da verzapfen! Billigste Version ausschreiben, es darf ja nichts kosten, sonst wird es nicht bewilligt - dann aber alles ändern und vergolden.

    Grund allen Übels: "Das Architekturbüro Herzog & de Meuron, das den Entwurf machte, hat Gestaltungsrecht eingeräumt bekommen. Doch Hochtief tut sich schwer mit den Änderungen, die die Architekten immer wieder verlangen, weil die Übernahme der Zusatzkosten ungeklärt ist." Einstellung: Will haben - aber nicht bezahlen!

    Da kann man als Auftragnehmer nur die ganz harte Linie (Arbeiten bis zur Kostenklärung einstellen) fahren sonst bleibt man auf den berechtigten Mehrkosten sitzen!

    HOCHTIEF hat sich genau richtig verhalten.

    P.S. Auch ich habe 25 Jahre Erfahrung mit Prestige- und Großprojekten in 9-stelliger Projektgröße auf AN Seite.


  • aus der "Froschperspektive" mögen Sie ja Recht haben. Aber sehen wir es mal so, die Elbphilharmonie wird auch einer der Gründe sein, warum später Touristen aus aller Welt kommen werden und in Hamburg Geld lassen. Kita's leisten so etwas wohl eher nicht.

  • Herrje, was kann man mit 320.000.000 EUR Gutes anstellen... z. B. Bildung, Infrastruktur, Demokratische Organisationen unterstützen, Kitas, Kinderhilfswerke und und und.... stattdessen pumpt die reiche Oberschicht das Geld lieber in solche Projekte. Armes Deutschland.


  • Nein!
    Die Elbphilharmonie ist ein typisches Beispiel für das "Ganoventum" der großen Baukonzerne. Ich habe da täglich etwas (auf der Gegenseite) mit zu tun.

    Man beteiligt sich als Baukonzern an Ausschreibungen, bietet dann möglichst unter dem tatsächlichen Erstellungspreis, also "Dumping", an um den Auftrag zu gewinnen. Dann setzt man nach dem Zuschlag eine Schaar von Juristen an die Ausschreibungsunterlagen und pflückt diese auf Fehler und Lücken auseinander. Dann stellt man irrwitzige Nachforderungen und bezieht sich auf die "lückenhafte" Ausschreibung.

    So läuft es in allen großen Bauprojekten, egal ob Elbphilharmonie oder Krankenhaus etc..

  • man darf eigentlich mal ganz von vorn fragen: wer braucht so eine Bude? Insbesondere unter dem Aspekt: nichts in der Tasche, aber Grosskotzprojekte anfahren.

    Sieht in etwa so aus wie: Porsche GT2 leasen; 3 Monate auf den Putz hauen, anschließend Fahrzeugsicherstellung mangels pünktlicher Leasingratenzahlung. Und schon ist die Kohle versenkt.

  • Es hat sicher auch nicht geholfen, dass man Hochtief an einen kapitalschwachen spanischen Baukonzern verkauft hat, dem das Image von Hochtief relativ egal sein dürfte und der selbst Probleme hat, seine Kosten im Griff zu behalten. Nach der Übernahme von Hochtief durch ACS sind viele der alten Topleute weitergezogen.

    "Trau, schau, wem" gilt eben auch bei Firmenhochzeiten.

  • Es ist nicht das erst mal das Herzog & de Meuron negativ auffällt. Niemand hat das Recht an Herzog & de Meuron noch zu Lasten Dritter Aufträge zu erteilen!


  • Die Elbphilharmonie ist ein typisches Beispiel für die Verschwendungssucht eitler Politiker. Während zB. die wichtigen Zukunftsthemen Bildung und Forschung kaputtgespart werden, investiert man lieber in Betonmonumente, die man dann pressewirksam einweihen kann.

  • "der Imageschaden für das Unternehmen ist schon immens"
    Eine merkwürdige Aussage hinsichtlich der Tatsache, dass der Steuerzahler für dieses aufgeblasene Prestigemonument mitsamt Inkompetenz der öffentlichen "Planer" aufkommen darf. Oder meint man mit dem Verkauf von Konzertkarten die 320 Mio € Kosten vorm Jahr 2890 abdecken zu können?

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