Streit um Schweizer Sika
Verwaltungsrat verhindert Übernahme durch Saint-Gobain

Bereits über ein Jahr dauert der Übernahmestreit bei Sika an. Der Mehrheitsaktionär will seine Anteile an den französischen Wettbewerber Saint-Gobain verkaufen, doch der Verwaltungsrat verhindert dies mit einem Kniff.

BaarIm Übernahmestreit um den Schweizer Bauchemiekonzern Sika bleiben die Fronten verhärtet. Auch auf der dritten Aktionärsversammlung fanden die Streithähne keine Einigung in der Frage, ob der Mehrheitsaktionär seine Anteile an den französischen Rivalen Saint-Gobain verkaufen darf. Dagegen sperrt sich der Verwaltungsrat mit Unterstützung vieler Minderheitsaktionäre mit aller Kraft. Eine Klärung bringt wohl erst ein Gerichtsurteil, das Sika in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

„Sika braucht Saint-Gobain nicht“, sagte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg am Dienstag. „Heute nicht und auch in fünf und in zehn Jahren nicht.“ Auf der Versammlung brachten beide Seiten Politiker und Fondsmanager mit emotionalen Reden in Stellung, die Sympathien der rund 430 anwesenden Eigner lagen aber klar beim Verwaltungsrat.

Die Familie Burkard will ihr Aktienpaket für 2,75 Milliarden Franken an Saint-Gobain verkaufen. Die Burkards haben zwar nur einen Kapitalanteil von 16 Prozent, aber einen Stimmenanteil von 52 Prozent. Damit haben sie mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz die Kontrolle über Sika. Während die Burkards einen Aufschlag von 80 Prozent zum Aktienkurs vor Bekanntwerden der Übernahmepläne erhalten, sollen die übrigen Aktionäre leer ausgehen.

Damit die Transaktion über die Bühne geht, muss die Familie die Mehrheit im Verwaltungsrat erlangen. Wie schon bei zwei Aktionärsversammlungen im Vorjahr verhinderte das bestehende Gremium den Machtwechsel mit einem Kniff. Der Verwaltungsrat beschnitt die Stimmrechte der Burkards bei den entscheidenden Abstimmungen. Unter dem Applaus vieler Kleinaktionäre retteten sich damit der Verwaltungsrat und sein Präsident vor einer Abwahl. Der Vertreter der Familie, Urs Burkard, sprach von einer faktischen Enteignung.

Der bereits 16 Monate andauernde Streit, der alleine Sika bisher mehr als 13 Millionen Franken an Gebühren für Anwälte und andere Berater bekostet hat, geht nun in eine weitere Runde. Entscheidend wird sein, ob ein Gericht im Kanton Zug die Beschränkung der Stimmrechte gutheißt oder nicht. Viele Beobachter rechnen damit, dass die unterlegene Seite den Gegner danach vor das höchsten Schweizer Gericht ziehen könnte. Dann wäre frühestens im kommenden Jahr mit einem Ende des Streits zu rechnen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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