Streit um staatliche Beihilfen zwischen USA und EU spitzt sich zu
Airbus kritisiert versteckte Boeing-Subventionen

Airbus wirft den USA vor, im Streit um staatliche Beihilfen nicht über die Subventionierung von Boeing reden zu wollen. Die USA, so der Vorwurf, tarnen die Gelder als Forschungsprojekte.

HB PARIS. „Der von der US-Regierung gewählte Weg unterstreicht unsere Überzeugung, dass das 7E7-Programm nur lebensfähig ist, weil es mit der WTO unvereinbare Subventionen erhält“, erklärte Airbus Industrie in Toulouse. Airbus sagte, die Subventionen für das neue Boeing-Modell 7E7 seien bereits nach dem - nun von Washington beendeten - amerikanisch-europäischen Abkommen von 1992 über die Förderung des Flugzeugbaus verboten.

Die USA waren am Mittwoch vor die WTO gezogen, um die in dem Abkommen geregelte Förderung von Airbus mit zinsgünstigen Krediten zu Fall zu bringen. Daraufhin hatte die EU umgehend die USA wegen milliardenschwerer Subventionen für Boeing bei der WTO angezeigt. Die USA wollen staatliche Zuschüsse an Flugzeugbauer komplett verbieten. EU-Experten verwiesen jedoch darauf, dass Boeing von der Regierung über Forschungsprogramme für Militär und Raumfahrt großzügig gefördert werde. So gewonnenes Wissen lasse sich auch bei Zivilflugzeugen nutzen. Boeing hat nach EU-Angaben seit 1992 rund 23 Milliarden Dollar Hilfen bekommen.

Aus Toulouse hieß es, Airbus kaufe für mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr Vorprodukte bei US-Konzernen und sichere damit mehr als 100 000 Stellen in den USA. Umgekehrt komme mehr als die Hälfte des 7E7-Programms von außerhalb der USA.

Boeing hatte im vergangenen Jahr das neue 7E7-Modell vorgestellt, das auch als "Dreamliner" bekannt ist. Das mittelgroße Langstreckenflugzeug für 200 bis 250 Passagiere soll das effizienteste seiner Klasse werden. Boeing will damit die Weltmarkt-Führerschaft zurückerobern, die Erzrivale Airbus dem US-Flugzeugbauer 2003 streitig gemacht hatte.

Airbus setzt seine Hoffnungen auf das Großraumflugzeug A380, das 555 Passagiere befördern soll. Angesichts der inzwischen zum Großteil bewältigten Entwicklung der Maschine untersucht Airbus nun Möglichkeiten für einen neuen Jet, ließ aber offen, ob es sich um ein Konkurrenzmodell zur 7E7 handeln soll. Der Hersteller erwartet keine Beeinträchtigung seiner Geschäfte durch den Gang vor die WTO. Airbus gehört zu 80 Prozent dem europäischen EADS-Konzern und zu 20 Prozent der britischen BAE Systems.

Das Pariser Finanzblatt „La Tribune“ äußerte am Donnerstag die Vermutung, Washington könne seine Klage nach den US-Wahlen zurückziehen.

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