Streit um Telefonhersteller
Siemens verzichtet bei Gigaset auf Millionenbetrag

Die Beteiligungsgesellschaft Arques und Siemens haben ihren jahrelangen Streit über den Telefonhersteller Gigaset beigelegt. Am späten Freitagabend haben beide Seiten die entsprechenden Verträge unterzeichnet.
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HB BERLIN. Dem Finanzinvestor Peter Löw ist nach seinem Putsch bei der Beteiligungsgesellschaft Arques auch die Einigung mit Siemens gelungen. Wie Arques am Freitagabend bekanntgab, haben Arques und Siemens ihren Rechtsstreit um die ehemalige Siemens-Tochter Gigaset beigelegt. Arques hat Gigaset zu 100 Prozent übernommen, nach Informationen des Handelsblattes aus Unternehmenskreisen hat Siemens dabei auf Forderungen von 12,5 Millionen Euro verzichtet.

Arques hatte den Telefonhersteller 2008 von Siemens gekauft, aber nie bezahlt. Der Rechtsstreit und andere Managementfehler brachten sowohl Arques als auch Gigaset an den Rand des Ruins. Löw, der das Unternehmen von 2002 bis 2007 geführt hatte und seine Anteile dann verkaufte, kehrte im August 2010 mit einem Überraschungscoup auf der Hauptversammlung zurück, eroberte den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden und entließ den Vorstand.

Seitdem hat Löw Arques völlig umgekrempelt. Während der alte Vorstand die Beteiligung Gigaset verkaufen wollte und die übrigen Beteiligungen als „attraktives Portfolio“ lobte, hat Löw dem eingesetzten neuen Vorstandsvorsitzenden Maik Brockmann den umgekehrten Weg vorgezeichnet: Gigaset bleibt bei Arques, alles andere wird verkauft.

Die Transformation könnte schon im Januar 2011 vollzogen sein. Wie Brockmann dem Handelsblatt bestätigte gibt es für alle vier noch übrigen Beteiligungen von Arques Interessenten. „Natürlich muss ich erst einmal die Zustimmung der Aktionäre zur Änderung des Unternehmenszweckes auf der Hauptversammlung am 20. Dezember abwarten“, sagt Brockmann. „Aber ich gehe davon aus, dass ich sie bekomme.“

Brockmanns Vertrag läuft über zwei Jahre. Er selbst sieht sich als Feuerwehrmann, der bei Arques wieder geht, sobald alle Brände gelöscht sind. Die Einigung mit Siemens ist dabei der größte Teilerfolg. Der Kauf von Gigaset durch Arques ging völlig schief, Siemens zeigte Arques wegen Betrugs an, es kam sogar zu Durchsuchungen durch die Polizei.

Dass Siemens seine Klagen jetzt nicht nur einstellt, sondern auch noch auf eine halbe Kaufrate plus aufgelaufene Zinsen verzichtet, sehen Verhandlungskenner auch als Ausdruck der Sorge bei Siemens, mit Gigaset ein ähnliches PR-Desaster zu erleben wie bei Ben-Q. Siemens hatte 2005 seine Mobiltelefonsparte an das taiwanesische Unternehmen verkauft, 2006 stellte Ben-Q für sein Deutschlandgeschäft mit 3400 Mitarbeitern einen Insolvenzantrag.

Ein ähnliches Schicksal scheint nun bei Gigaset unwahrscheinlich. Mit seinem Verzicht, der an bestimmte Bedingungen gebunden ist, stabilisiert Siemens seine Ex-Tochter mit 12,5 Millionen Euro. Arques hat nach einer eigenen Kapitalerhöhung in den vergangenen vier Wochen mehr als 40 Millionen Euro bei Gigaset eingelegt, die Verbindlichkeiten an Siemens sind gezahlt, das Unternehmen ist fast schuldenfrei. Die 1300 Festangestellten in Deutschland haben eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2013 erhalten. 2010 erwartet Gigaset ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis.

Siemens äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Verhandlungsergebnis. Löw sagte: „Nachdem Arques nunmehr saniert ist, wird es jetzt verstärkt darum gehen sich um Gigaset zu kümmern.“ Der Aktienkurs von Arques hat sich seit Löws Machtübernahme im August verdreifacht.

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