Streit um Zeppelin-Stiftung
Der Schatz am Bodensee

Die Zeppelin-Stiftung, Eigentümerin des Autozulieferers ZF, ist für die Stadt Friedrichshafen ein Geldsegen. Doch nun ist ein Streit um die Kontrolle über die reiche Stiftung entbrannt. In der Hauptrolle: Graf Zeppelin.

FriedrichshafenAndreas Brand ist Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen. Der Verwaltungsexperte brauchte Ende September ein paar Wochen, um den Schock zu verdauen. Er musste sich erst Rat von Top-Juristen holen. Jetzt hat er gegen Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin frontal Stellung bezogen. „Die Rechtmäßigkeit der Zeppelin-Stiftung steht außer Frage. Ihre Existenz ist unangreifbar“, betonte der Oberbürgermeister, der der Stiftung vorsteht.

Der Urenkel des legendären Luftschiffbauers Ferdinand Graf Zeppelin hatte den Friedrichshafener Schultheiß Ende September mit einem Vorstoß überrascht: Ziel ist es, die Stiftung der Kontrolle der Stadt zu entziehen und am besten selbst wieder mitzubestimmen.

Brand hütet die Stiftung wie einen Schatz: Denn die Zeppelin-Stiftung, Eigentümerin des drittgrößten deutschen Autozulieferers ZF Friedrichshafen mit über 30 Milliarden Euro Umsatz ist sehr reich. Zuletzt schüttete der Konzern rund 50 Millionen Euro an die Stiftung aus. Das ermöglicht der Stadt viele Dinge, die andere Kommunen sich längst nicht mehr leisten können. So baut Friedrichshafen ein neues Hallenbad und renoviert sein Freibad.

„Am Anfang war meine Gemütslage volatiler. Inzwischen bin ich entspannt“, betont Brand. Dazu beigetragen haben seine Rechtsexperten. Die zerpflückten am Dienstag vor der Presse den 231 Seiten starken Antrag, den der Graf dem Regierungspräsidium Tübingen überstellt hatte, in seine Einzelteile. „Die alte Zeppelin-Stiftung von vor 1947 ist tot“, sagte Christoph Schönenberger, Professor für Öffentliches Recht und Verfassungsgeschichte an der Universität Konstanz.

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