Streitigkeiten
Schaeffler stürzt Conti-Chef Neumann

Es kam, wie es kommen musste: Karl-Thomas Neumann wurde vom Aufsichtsrat als Conti-Chef abgelöst. Sein Nachfolger wird wie erwartet der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart. Aufsichtsrats-Chef Rolf Koerfer legt im Gegenzug den Vorsitz nieder. Damit herrscht zwar wieder ein bißchen Frieden, es bleiben aber viele Probleme.

mcs/ax/HB HANNOVER. Beim Autozulieferer Continental hat sich Großaktionär Schaeffler im zweiten Anlauf durchgesetzt und den Wechsel an der Konzernspitze erzwungen. Der bisherige Vorstandschef Karl-Thomas Neumann wird mit sofortiger Wirkung durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt, wie beide Firmen am Mittwoch mitteilten. Als Kompromiss wurde vereinbart, dass auch Chefkontrolleur Rolf Koerfer, ebenfalls ein Schaeffler-Vertrauter, seinen Stuhl räumt. Er soll nach Aussage von Vize-Aufsichtsratschef Werner Bischoff bis zur nächsten Sitzung des Gremiums am 29. September ausgewechselt werden, ihm aber weiter angehören. Aus Aufsichtsratskreisen verlautete indes, Koerfer gehe erst, wenn die Neuordnung des Vorstands abgeschlossen sei. Sein Nachfolger an der AR-Spitze soll von außen kommen.

Der Abgang des bisherigen Conti-Chefs Neumann war erwartet worden, nachdem er mit seiner als Vertrauensbruch empfundenen Attacke auf Schaeffler bei dem Großaktionär in Ungnade gefallen war. Bei der Aufsichtsratssitzung vor zwei Wochen hatte sich Schaeffler mit der Abwahl Neumanns wegen des Widerstands der Arbeitnehmer noch nicht durchsetzen können. Nun wird dem Manager der Abgang mit einer Abfindung von 7,4 Mio. Euro versüßt. Einen Teil davon übernehme Schaeffler, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Der als Garant für eine Investorenvereinbarung engagierte Altkanzler Gerhard Schröder erklärte, nach dem gefundenen Kompromiss seien die Gründe für eventuelle gerichtliche Maßnahmen entfallen. Aus Sicht einiger Aufsichtsräte war die von Schaeffler betriebene Absetzung Neumanns ein Bruch gegen eine bestehende Investorenvereinbarung zwischen Conti und Schaeffler. Kreisen zufolge kam der Kompromiss auf massiven Druck von Hauptgläubiger Commerzbank zustande.

Der Aufsichtsrat beschloss zudem, den zuletzt auf drei Köpfe geschrumpften Conti-Vorstand auf zunächst sechs Mitglieder zu erweitern. Der Chef der Pkw-Reifensparte, Nikolai Setzer, soll ebenso in den Vorstandsrang aufrücken wie der Chef des Interior-Bereichs, Helmut Matschi, und der Chef der Bremsen-Sparte Chassis & Safety, Ralf Cramer. Damit ist nur noch die Position des Finanzvorstands vakant. Der Nachfolger für diesen Posten soll weder aus den Reihen der Conti- noch der Schaeffler-Manager kommen. An den Plänen, mit dem Verkauf neuer Aktien die zehn Mrd. Euro schwere Schuldenlast zu lindern, hält Conti fest. „Wir brauchen die Kapitalerhöhung und wollen sie bis Anfang kommenden Jahres fertig haben“, sagte Vize-Aufsichtsratschef Bischoff. Der Gang an den Kapitalmarkt komme unabhängig von einer Fusion von Schaeffler und Conti. „Eine Fusion ist sicher nicht in zehn bis zwölf Monaten zu erwarten“, ergänzte er. Überlegungen, zur Besserung der Finanzlage Unternehmensteile zu verkaufen, gebe es derzeit keine.

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