Strom
RWE soll Preise rückwirkend senken

Der Versorger RWE hat vom Bundeskartellamt die Quittung für Preis-Mauscheleien bekommen: Die Wettbewerbshüter haben den Energieriesen abgemahnt, weil er seinen Industriekunden kostenlos zugeteilte Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte über den Strompreis voll in Rechnung stellte. Bleibt RWE hart, dürfte man sich vor Gericht wiedersehen.

HB BONN. RWE werde aufgefordert, seine Strompreise für die Industrie rückwirkend für 2005 drastisch zu senken, teilte Kartellamtschef Ulf Böge am Mittwoch in Bonn mit. Der Düsseldorfer Branchenprimus Eon werde voraussichtlich bald eine ähnliche Abmahnung erhalten.

Nach Angaben des Kartellamts hat RWE im Geschäft mit Industriekunden im vergangenen Jahr über die Gebühr Verschmutzungsrechte eingerechnet und die Preise so in die Höhe getrieben. Es stelle einen Missbrauch dar, dass mehr als 25 Prozent des im Preis anteilig enthaltenen Kohlendioxid-Zertifikatswerts überwälzt worden sei.

RWE hat wie auch die anderen Verfahrensbeteiligten bis zum 22. Februar Zeit für eine Stellungnahme. Bleibt das Kartellamt bei seiner Haltung, könnten Schadenersatzklagen von Industriekunden die Folge sein. Böge: „Ich gehe davon aus, dass es dann zu Klagen kommt.“ Die Industriekunden könnten auf zivilrechtlichem Wege Schadenersatz geltend mache. Wie hoch dieser ausfalle, könne er noch nicht sagen.

Die Beschwerde gegen RWE hatten Vertreter der stromintensiven Industrie eingereicht. So wirft etwa der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) den Energieriesen vor, mit der Einpreisung kostenlos zugeteilter Verschmutzungsrechte ihre Marktmacht zu missbrauchen und die Strompreise künstlich in die Höhe zu treiben. Sie argumentieren, dass eine Einbeziehung der Kosten nur möglich sei, weil der Wettbewerb auf dem Strommarkt mangelhaft sei.

Die Versorger haben die Vorwürfe ebenso zurückgewiesen wie die vom VIK ins Spiel gebrachte Summe ungerechtfertigter Profite von mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr. Sie erklärten, den Wert der Kohlendioxid-Zertifikate aus betriebswirtschaftlichen Gründen einkalkulieren zu müssen. Sonst würden Werte vernichtet, da die Papiere auch an der Strombörse teuer verkauft werden könnten. Damit verlöre auch der Emissionshandel seine Wirkung, da der Anreiz fehle, weniger Zertifikate zu verbrauchen und weniger Kohlendioxid in die Luft zu blasen. Am Mittwoch machte RWE deutlich, man bleibe bei seiner Haltung.

An der Börse gaben die Papiere von RWE und Eon gegen den Trend nach. Gegen 11.00 Uhr standen RWE 0,8 Prozent im Minus, Eon werden 0,2 Prozent leichter notiert.

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