Stromausfall in Westeuropa
Der Strom wird nochmal abgeschaltet

Millionen Menschen in Europa standen am Samstagabend im Dunkeln, weil das Stromnetz zusammengebrochen war. Auslöser war die Abschaltung einer Hochspannungsleitung über die Ems, um das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Pearl“ von der Meyer-Werft in die Nordsee überführen zu können. Das Vorhaben misslang jedoch, so dass der Strom noch einmal abgeschaltet werden muss.

HB HANNOVER. Eon hatte am Samstag plangemäß eine Hochspannungsleitung über die Ems abgeschaltet, damit der Weg zum offenen Meer für die „Norwegian Pearl“ frei wurde. Daraufhin war in weiten Teilen Westeuropas der Strom ausgefallen. Weil Eon nach dem Ausfall den Strom auf der Leitung wieder angestellt habe, habe das Schiff seine Fahrt nicht fortsetzen können, sagte ein Sprecher der Papenburger Werft am Montag.

Für Schiffe mit einer Höhe von rund 60 Metern sei es viel zu riskant, unter einer Hochspannungsleitung hindurchzufahren, die in Betrieb sei, erläutete der Sprecher die Notwendigkeit einer Stromabschaltung. „Da könnte ein Funke überspringen oder die Leitungen könnten durchhängen.“

Meyer-Werft liegt im Zeitplan

Ein Zeitproblem entstehe für die Meyer-Werft durch die Verzögerung nicht. „Wir haben bis zum 28. November Zeit, das Schiff an die Reederei zu übergeben. Dafür ist der Puffer groß genug.“ Die Frage nach einem Schadenersatzanspruch gegenüber dem Energiekonzern Eon stelle sich daher nicht. Eon-Energie-Vorstand Klaus-Dieter Maubach hatte im ZDF die Verantwortung für den Stromausfall eingeräumt und diesen mit der Abschaltung der Leitung über die Ems begründet: „Das war im Grunde genommen der Ursprung für diese Versorgungsstörung.“ Die Versorger sprachen von 10 Mill. Menschen, die betroffen waren.

Ein Zwischenfall wie am Wochenende habe sich in den bisherigen 19 Überführungen von Kreuzfahrtriesen noch nicht ereignet, sagte der Werftsprecher. Wenn die „Norwegian Pearl“ an die Norwegian Cruise Line überführt ist, soll die Reederei bereits im Herbst kommenden Jahres die „Norwegian Gem“ in Empfang nehmen. Derzeit wird in Papenburg außerdem die Aida Diva für Aida Cruises gebaut, die im Frühjahr 2007 die Werft verlassen soll. Auch dann muss der Strom wieder abgeschaltet werden.

EU verlangt Aufklärung

Die EU-Kommission hat eine umfassende Untersuchung der Gründe des Stromausfalls gefordert. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte ein Sprecher der Behörde am Montag in Brüssel. Die Kommission werde ein Treffen der Regulierungsbehörden einberufen und auch von den Betreibern der Stromnetze eine Überprüfung fordern. Zudem solle das Thema im Januar von der Europäischen Union behandelt werden.

In Deutschland saßen unter anderem Menschen in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland bis zu einer Stunde im Dunkeln. Auch in Teilen Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, Österreichs, Italiens, Spaniens, Portugals und selbst in Marokko fiel der Strom bis zu einer Dreiviertelstunde aus.

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