Stromerzeugung
Eon baut keine neuen Kraftwerke

Der Energieriese Eon und sein Konkurrent RWE sparen sich den Bau weiterer Gas- und Kohlekraftwerke. Doch die Bundesregierung setzt auf neue Anlagen. Experten warnen sogar vor einer Stromlücke. Wer setzt sich durch?
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DüsseldorfDer Energiekonzern Eon weist Warnungen vor einer Stromlücke zurück und spart sich den Bau zusätzlicher konventioneller Kraftwerke. "Wir planen vorerst für Westeuropa keine weiteren Gas- und Kohlekraftwerke mehr, weil der Markt sie nicht braucht", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. "Der europäische Markt braucht bis 2020 über die derzeit laufenden Projekte hinaus keine neue Kraftwerkskapazität." Der Konkurrent RWE hatte unter Verweis auf schwache Margen im Stromgeschäft ebenfalls angekündigt, zunächst keine weiteren Großkraftwerke zu errichten. Die Bundesregierung setzt hingegen auf den Bau neuer Anlagen. Einige Experten haben sogar vor einer Erzeugunglücke gewarnt, die nach dem beschleunigten Atomausstieg drohe.

Die beiden größten deutsche Energiekonzerne Eon und RWE haben in den vergangenen Jahren mit Milliardeninvestitionen ihren Kraftwerkspark modernisiert. RWE hatte vor wenigen Tagen ein über zwei Milliarden Euro teures Braunkohlekraftwerk eingeweiht, das eine Reihe alter Blöcke ersetzen soll. Zusätzliche Kapazitäten würden aber die Preise weiter unter Druck setzen und damit auch die Gewinne der Versorger schmälern. Weitere Anlagen müssen nun wohl von anderen Anbietern wie etwa den Stadtwerken oder ausländischen Versorgern gebaut werden müssen. Erst am Mittwoch hatte die halbstaatliche Deutsche Energieagentur (Dena) den Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke angemahnt. Zu Absicherung der Stromversorgung zu Zeiten einer schwachen Ökostromproduktion würden noch bis zum Jahr 2030 neue Kohle- und Gaskraftwerke benötigt.

Die Rolle eines Ersatzspielers wollen die Energieriesen aber nicht übernehmen. Trotz des Atomausstiegs in Deutschland mit der sofortigen Abschaltung von acht der 17 deutschen AKW gibt es nach ihrer Angaben im europäischen Strommarkt Überkapazitäten. Hierfür spricht, dass der Großhandelspreis für eine Megawattstunde bei rund 50 Euro und damit fast auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren liegt. Damit sich neue Gaskraftwerke lohnen, müsste der Strompreis mindestens 75 Euro liegen, hatte RWE-Chef Terium gesagt.

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Gaskraftwerke laufen immer weniger

Kommentare zu " Stromerzeugung: Eon baut keine neuen Kraftwerke"

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  • Man kann nur hoffen, das sich endliche einmal Verstand breit macht. Wir haben funktionierende Kernkraftwerke und schalten sie ab, während rund um unser Land fast überall neue gebaut werden.

    Neue Kohle- und Gaskraftwerke sollen auf stand-by, wenn Wind und Sonne nicht ausreichen. So kann man kein Unternehmen gründen, das sollte jedem klar sein.

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