Stromknappheit
Forscher warnen vor schnellem Aus für die Atomkraft

Deutschland debattiert über den Atomausstieg. Doch Wissenschaftler warnen: Werden die Atommeiler zu schnell abgeschaltet, drohen Versorgungslücken. Auch BASF-Chef Jürgen Hambrecht ist gegen den schnellen Ausstieg.
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DüsseldorfDie Wende der Bundesregierung in der Atompolitik stellt die Energiebranche vor große Herausforderungen: Wenn sich der Atomausstieg beschleunigt, drohen Versorgungslücken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Trendresearch-Analyse für das Handelsblatt. Trendresearch ist ein auf energiewirtschaftliche Themen spezialisiertes unabhängiges Marktforschungs- und Beratungsunternehmen.
"Das endgültige Aus der sieben Meiler, die bereits abgeschaltet sind, ließe sich ohne Versorgungsengpässe verkraften. Bemühungen, die verbleibenden zehn Meiler früher als bislang geplant vom Netz zu nehmen, würden dagegen enorme Anstrengungen für den Ausbau der erforderlichen Ersatzkapazitäten nach sich ziehen", sagte Tom Hoemske, Bereichsleiter Erzeugung bei Trendresearch.
Zwar sind in Deutschland derzeit massive Investitionen in den Kraftwerkspark geplant. Sie würden aber nicht ausreichen, um die entstehende Lücke bei einem schnelleren Atomausstieg zu kompensieren. Spätestens ab 2015 wären dann zusätzliche Investitionen in neue mit Kohle oder Gas betriebene Großkraftwerke erforderlich. Entsprechende Zusatzinvestitionen mit ausreichenden Realisierungschancen sind aber nicht absehbar.

Der Trendsearch-Studie zufolge sind derzeit 85 Kohle- und Gaskraftwerke angedacht. Dabei sind allerdings erst 21 Kraftwerke in Bau oder stehen kurz vor dem Baubeginn. Bei 29 Projekten ist der Bau ungewiss, bei 35 nach Einschätzung von Trendresearch sogar eher unwahrscheinlich. Hintergrund der Unsicherheiten sind vor allem massive Proteste von Bürgern oder Kommunal- und Landespolitikern, denen es in der Vergangenheit immer wieder gelungen ist, Projekte zu kippen. Diese Entwicklung hat den Ausbau des Kraftwerksparks in den vergangenen Jahren massiv behindert
Hoemske beziffert den Umfang der zusätzlichen Investitionen bei einem schnelleren Atomausstieg allein im Bereich der Kohle- und Gaskraftwerke auf 18 Mrd. Euro bis 2020. Außerdem müssten die Betreiber der Kraftwerke - anders als bei den Kernkraftwerken - Emissionszertifikate kaufen. Die hohen Investitionen und die zusätzlichen Zertifikatekosten würden laut Hoemske zu steigenden Strompreisen führen.

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  • Herr Hambrecht, mit Respekt frage ich Sie: Liegt die BASF nicht im 30km Umkreis von 4 Reaktoren? Können wir auf die BASF verzichten (falls sie evakuiert würde)? Sie wissen, welche zentralen deutschen Unternehmen im 80km Umkreis liegen. Können diese alle durch Firmen im Berliner Umland ersetzt werden?

  • Das Ziel ist klar: Ein Atomausstieg soll abermals, wie schon nach Tschernobyl, verhindert werden.

    Bleibt zu hoffen, dass Deutschland nun den Ausstieg schafft. Wiegen die Argumente doch so schwer.

    Atomstrom ist nur vermeintlich billiger:
    Kraftwerksbetreiber sind nicht dazu verpflichtet, sich gegen Schäden in unbegrenzter Höhe zu versichern. Endlagerkosten können nicht kalkuliert werden, da Erfahrungswerte fehlen. Es kann nicht einmal abgeschätzt werden, über welchen Zeitraum die Kosten überhaupt anfallen. Verlängert man den aktuellen Zustand ohne Endlager entstehen Kosten über mehrere tausend Jahre.

    Deutsche Atomkraft ist nicht sicherer:
    Die bisherigen Vorkommnisse im Bereich der Atomenergiewirtschaft, z.B. Asse lassen nicht auf ein höheres Sicherheitsbewusstsein in Deutschland schließen.

    Es kann morgen passieren:
    Nach den Berechnungen des NRC droht ein Vorfall wie in Fukushima in den USA nur alle 17.000 Jahre. Ohne diese recht niedrige Risikoeinschätzung zu akzeptieren gilt in jedem Fall. Es kann morgen passieren.

  • Wieso wird vor Frankreich gewarnt und in Polen wird dies durch unsere Grünen gefördert?

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