Stromkonzern
EDF entkommt Desaster in den USA

EDF entgeht einem Milliardendesaster: Der französische Stromriese hat sich mit seinem US-Partner Constellation geeinigt und muss sich nun auf die Suche nach einer neuen Kooperation machen. Unter dem Strich kostete EDF der Deal hunderte Millionen.
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PARIS. Der französische Stromriese EDF hat den Streit mit seinem US-Partner Constellation Energy beigelegt. EDF will die Anteile von Constellation am Atom-Joint-Venture Unistar aufkaufen; gleichzeitig geben die Franzosen ihre Constellation-Aktien an den US-Konzern zurück, teilten die Firmen mit. Unter dem Strich kostet EDF der Deal 240 Millionen Dollar.

Im Gegenzug entgeht EDF einem großen finanziellen Risiko. Denn Constellation verzichtet darauf, dem französischen Stromriesen herkömmliche Kohlekraftwerke zum Festpreis von zwei Milliarden Dollar anzudienen. Diese Verkaufs-Option hatte EDF den Amerikanern im Zuge der Begründung der Partnerschaft vor zwei Jahren eingeräumt.

Mit dem Kompromiss entgeht EDF einem Milliarden-Desaster in den USA. Denn hätte EDF die Kraftwerke für zwei Milliarden Dollar übernehmen müssen, „hätte die Wertvernichtung vermutlich rund eine Milliarde Dollar betragen“, rechnen die Analysten des Brokers Cheuvreaux vor. Der Grund: Angesichts des gesunkenen Strompreises sind die Kraftwerkskapazitäten heute weniger wert als damals, als EDF den Amerikanern die Verkaufsoption eingeräumt hat. Die EDF-Aktie reagierte erleichtert auf die Einigung mit einem Plus von zwei Prozent. EDF hatte sich vor zwei Jahren mit Constellation Energy verbündet und das Joint Venture Unistar gegründet. Das Abkommen sah vor, dass beide Partner in den USA bis zu vier neue Atomreaktoren vom Typ EPR bauen wollten.

Doch in der Zwischenzeit sind in den USA neue Gasvorkommen erschlossen worden. Da der Strompreis in den USA am Gaspreis hängt, sank der Strompreis deutlich. Constellation wollte daher vom Bau teurer, neuer Atomkraftwerke nichts mehr wissen und warf EDF die Brocken vor die Füße. Nun haben sich die beiden Stromkonzerne auf eine friedliche Einigung verständigt. „Dank des Abkommens verschwindet ein großes finanzielles Risiko für EDF, gleichzeitig kann der Konzern sein US-Abenteuer fortsetzen“, kommentierten die Analysten des Brokers Natixis. Aus dem Schneider sei EDF aber in den USA noch nicht: „EDF muss nun einen neuen Partner finden“, so die Natixis-Experten weiter. Denn die US-Gesetze verbieten, dass ein ausländischer Konzern die Mehrheit an einem Atomkraftwerk in den USA besitzt.

Französische Industriekreise fürchten, dass die Suche nach einem neuen US-Partner extrem schwer werden wird. „Die Fixiertheit auf kurzfristige Finanzkennzahlen der US-Unternehmen passt nicht zum langfristigen Charakter der Nuklear-Energie“, so ein Insider. Ein EPR-Reaktor kostet rund fünf Milliarden – dafür sind die Betriebskosten recht gering und die Meiler sollen 60 Jahre lang laufen können. Daher braucht ein Investor Vorausschaubarkeit beim Strompreis – was offenbar in den USA problematisch ist.

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