Strommarkt
Eon investiert in Russland

Der Energiekonzern Eon hat den Kraftwerkspark Schatura um einen neuen Block erweitert und kündigt weitere Investitionen an. Der Fokus liegt dabei allerdings vorerst nicht im Gasgeschäft, stattdessen soll der gewaltige Strombedarf im Osten bedient werden.
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MOSKAU. In der Kommandozentrale der russischen Stromwirtschaft geht es militärisch-zackig zu. Ein Mann bellt Befehle an den Leitstand des Eon-Kraftwerks Schatura ins Telefon. Minuten später zeigt die digitale Schalttafel eine Ist-Leistung von 393 Megawatt an: Der neue Block im Gaskraftwerk Schatura, zwei Autostunden östlich von Moskau, ist hochgefahren und am Netz. Artig macht der Mann Meldung vor Vize-Premierminister Igor Setschin: „Igor Iwanowitsch, ich melde: Das System ist bereit.“

Hätte noch gefehlt, dass der Mann salutiert. Ob des Drills im Stromnetz-Leitstand kann Eon-Vorstand Bernhard Reutersberg ein Schmunzeln nicht verbergen. Bedeutend aber ist: Vorigen Freitag ist ein neuer Block in dem Kraftwerkspark in Betrieb gegangen – für Reutersberg ein „Meilenstein im Russlandgeschäft“.

Für Eon ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte jenseits der EU-Grenzen. Der Strombedarf im Osten ist gewaltig, in einigen Regionen wie dem neuen Autobau-Zentrum Kaluga droht Energieknappheit. Viele Kraftwerke stammen noch aus Sowjetzeiten, wer jetzt in Kapazität und Effizienz investiert, kann langfristig eine Menge Geld verdienen.

Bis 2014 will Eon 2,3 Milliarden Euro in den Park der Tochter OGK-4 stecken. Nach der Schatura-Erweiterung sollen 2011 neue Blöcke am Ural und in Sibirien ans Netz gehen, drei Jahre später ist die Inbetriebnahme eines sibirischen Braunkohlekraftwerks geplant. Unterm Strich will Eon die Leistung der russischen Kraftwerke um 2 400 Megawatt steigern – fast ein Drittel dessen, was die Düsseldorfer vor drei Jahren zugekauft hatten.

Als jener Deal im Herbst 2007 bekannt wurde, hagelte es Kritik vonseiten der Analysten. Der Preis von 5,6 Milliarden Euro, hieß es, sei viel zu hoch für einen frisch privatisierten Stromkonzern in Russland, dessen Manager noch mit einem Bein in der Planwirtschaft stehen.

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