Strommarkt
Eon überlässt RWE türkischen Markt

Unterschiedlich könnten die Strategien im Auslandsgeschäft von Deutschlands größten Versorgern kaum sein: Während sich Eon aus dem türkischen Strommarkt zurückzieht, steigt RWE ein. Es gibt aber offenbar gute Gründe für das Vorgehen.

DÜSSELDORF. Die angespannte Finanzlage zwingt Eon zum Rückzug aus dem Wachstumsmarkt Türkei. Deutschlands größter Energiekonzern gibt ein Joint-Venture mit dem türkischen Unternehmen Turcas für den Bau von zwei Kraftwerken auf. Stattdessen übernimmt ausgerechnet Eons deutschen Konkurrent RWE die Pläne.

RWE unterzeichnete gestern mit dem türkischen Energieunternehmen ein Kooperationsabkommen. Zunächst geht es um den Bau eines 800 Megawatt starken Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in der Nähe der Stadt Denizli im Westen der Türkei. RWE übernimmt 70 Prozent der Joint-Venture-Gesellschaft. Die Investitionen für die Anlage werden mit 600 Mio. Euro kalkuliert. Endgültig soll zum Jahresende über das Projekt entschieden werden, der Bau könnte dann Anfang 2010 beginnen. Angedacht ist auch ein Steinkohlekraftwerk, die Planungen sind aber noch in einem sehr frühen Stadium. „Für RWE stellt das Joint-Venture einen wichtigen ersten Schritt in den türkischen Strommarkt dar“, sagte Strategievorstand Leonhard Birnbaum.

Ähnlich hatten sich vor eineinhalb Jahren auch Eon-Vertreter geäußert. Nach der gescheiterten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa galt neben Russland auch die Türkei als neuer hoffnungsvoller Markt. „Mit ihrem stark wachsenden Energieverbrauch und ihrem dringenden Bedarf an zusätzlicher Erzeugungskapazität ist die Türkei einer der attraktivsten Energiemärkte und bietet daher gute Wachstumschancen für erfahrene Energieunternehmen wie Eon“, hatte es damals geheißen.

Die Prognosen sind auch unverändert positiv. Branchenexperten erwarten in der Türkei ein überdurchschnittliches Wachstum. Auch Deutschlands drittgrößter Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat den Markt im Visier.

Für Eon haben sich die Prioritäten aber geändert. „Nach den internationalen Wachstumsschritten der vergangenen Jahre haben wir uns entschieden, das Engagement auf dem türkischen Strommarkt nicht weiter zu verfolgen“, begründete ein Sprecher die Kehrtwende. Eon hat in der Zwischenzeit mehr als 15 Mrd. Euro für Aktivitäten in Russland, Spanien, Frankreich und Italien ausgegeben und schreckt jetzt offenbar vor weiteren Investitionen in einen neuen Markt zurück.

Durch den Expansionskurs ist schließlich die Verschuldung des Energiekonzern deutlich angestiegen. Konzernchef Wulf Bernotat hatte jüngst bereits einen Sparkurs verordnet und angekündigt, die Investitionen zu drosseln, Projekte auf den Prüfstand zu stellen und auch einzelne Aktivitäten wieder zu verkaufen.

Konkurrent RWE demonstriert dagegen mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise Stärke. Das Unternehmen hatte erst Anfang des Jahres die größte Übernahme seit Jahren angekündigt: RWE will für mehr als neun Mrd. Euro den niederländischen Versorger Essent kaufen. Und jetzt traut sich der Essener Konzern – im Gegensatz zu Eon – auch ein größeres Engagement in der Türkei zu.

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