Strommarkt

Industrie feilscht mit Versorgern

Die Energiekosten machen den Firmen in der Wirtschaftskrise zu schaffen. Längerfristige Lieferverträge verhindern, dass die Unternehmen vom durch die Krise gesunkenen Strompreis profitieren. Sie fordern von ihren Versorgern bessere Konditionen - die Chancen sind aber gering.
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Stromleitungen im Abendrot im Landkreis Börde. Unternehmehmen leiden unter hohen Energiekosten. Quelle: dpa

Stromleitungen im Abendrot im Landkreis Börde. Unternehmehmen leiden unter hohen Energiekosten.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF, FRANKFURT. Die deutschen Unternehmen wollen sich verstärkt gegen die hohen Stromkosten wehren. In einer exklusiven Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. gab jeder zweite Manager an, er wolle mit den Versorgern neu über die Konditionen verhandeln. Jeder Dritte erwägt den Wechsel des Anbieters. Am Handelsblatt Business-Monitor, einer regelmäßigen Umfrage unter der deutschen Wirtschaftselite, beteiligten sich dieses Mal 783 Führungskräfte.

Die Debatte über die Energiekosten ist durch die Wirtschafts- und Finanzkrise zwar in der Öffentlichkeit etwas in den Hintergrund getreten, für die Manager hat sie aber noch immer eine hohe Relevanz. 51 Prozent der Befragten messen dem Thema Energiekosten aktuell einen eher hohen bis sehr hohen Stellenwert bei. Für 43 Prozent wird das Thema in Zukunft sogar zumindest etwas, wenn nicht sogar stark an Bedeutung gewinnen.

In der Tat hat sich trotz der seit einem Jahr anhaltenden Wirtschaftskrise nichts an der Brisanz geändert. Zwar haben sich die Notierungen im Stromgroßhandel an der Leipziger Börse EEX deutlich verringert, weil es wegen stillgelegter Fabriken und Kurzarbeit zurzeit ein deutliches Überangebot an Energie gibt. Eine Megawattstunden (MWh) zur Lieferungim kommenden Jahr kostet dort aktuell knapp 47 Euro. Im Sommer 2008 - vor dem Crash an den Finanzmärkten - war der Preis noch bis auf 90 Euro geklettert.

Das Problem: Viele Unternehmen sitzen auf längerfristigen Lieferverträgen. Zahlreiche Manager hatten sich insbesondere in der ersten Hälfte 2008, als die Strompreise sprunghaft anstiegen, auf ein dauerhaft hohes Niveau eingestellt. Deswegen deckten sie sich schon für 2010 und 2011 mit Energiekontrakten ein, um vermeintlich höhere Kosten abzuwenden. "Damals war das eine richtige Strategie, im Nachhinein war es aber falsch", sagt Ralf Ridzewski von NUS Deutschland, der Großkunden beim Einkauf berät.

Der Verbrauch ist kräftig gesunken

Unternehmen, die nicht nur feste Preise, sondern auch Mengenbänder vereinbart haben und jetzt wegen der Krise den bestellten Strom nicht abnehmen können, müssen in der Regel sogar eine vereinbarte Strafe bezahlen. Nach neuesten Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der Stromverbrauch von Anfang Januar bis Ende September über alle Bereiche hinweg um knapp sieben Prozent gesunken. Während der Verbrauch bei den privaten Haushalten annähernd konstant blieb, fiel er bei Industriekunden um deutlich zweistellige Prozentsätze. Die EnBW beispielsweise berichtete vor wenigen Tagen, dass ihre Lieferungen an Großkunden um 21 Prozent eingebrochen sind.

Sorgen machen sich die Manager vor allem auch darüber, dass sie im Falle eines Konjunkturanzugs im kommenden Jahr auf teuren Verträgen sitzen. Viele Unternehmen, insbesondere Großkunden aus den energieintensiven Branchen wie Stahl, Chemie, Zement oder Papier versuchen deshalb mit ihren langjährigen Lieferanten zu verhandeln.

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