Strommarkt
Versorger EDF streitet um Atomkompetenz

Der neue Chef des Energieversorgers will auch beim Kraftwerksbau an die Weltspitze. Damit greift Henri Proglio schon vor seinem Amtsantritt den ebenfalls französischen Kerntechnikkonzern Areva frontal an - und fordert faktisch dessen Zerschlagung. Beide Unternehmen sind derzeit noch mehrheitlich Staatsunternehmen.
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PARIS/WARSCHAU. Der künftige Chef von Électricité de France (EDF), Henri Proglio, will seinen Konzern bei Bau und Betrieb von Kernkraftwerken an die weltweite Spitze führen. Proglio greift mit den Plänen schon vor seinem Amtsantritt am kommenden Montag den ebenfalls französischen Kerntechnikkonzern Areva frontal an und fordert faktisch dessen Zerschlagung.

"Ich will eine Atomsparte haben, die funktioniert", sagte er der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". Man müsse gegenüber der internationalen Konkurrenz alle Kräfte vereinen und könne sich keine Aufsplitterung leisten. Deshalb sei es notwendig, die Rolle von Areva zu überdenken. Beide Unternehmen sind mehrheitlich im Besitz des Staates. Areva ist einer der führenden Atomkraftwerksbauer und liefert Brennmaterial. EDF betreibt in Frankreich und im Ausland Kernkraftwerke, ist aber auch einer der wenigen Versorger, der sich zunehmend selbst im Bau der Anlagen engagieren.

EDF-Chef steht Sarkozy nahe

EDF und Areva arbeiten zwar bereits im Bereich Brennmaterial zusammen, sind aber Konkurrenten beim Reaktorbau, vor allem bei der Konstruktion des europäischen Druckwasserreaktors EPR. EDF ist dafür im französischen Flamanville zuständig, Areva in Finnland.

Patrice Lambert de Diesbach, Analyst für den Bereich bei der Investmentbank CM-CIC Securities, sieht zwei Erklärungen für Proglios Vorpreschen. "Henri Proglio konnte das nicht erklären, ohne die Zustimmung von Präsident Nicolas Sarkozy zu haben", glaubt er. Der neue EDF-Chef steht dem Präsident nahe. Außerdem sieht Diesbach es als Angriff auf den konkurrierenden Versorger GDF Suez, der sein Engagement auch auf dem Atomsektor ausbauen will.

Proglio kritisiert, dass in Zeiten, in denen die Kernenergie eine Renaissance erlebt, Frankreichs Angebote für das Ausland nicht schlagkräftig genug seien, weil die Organisation der französischen Atomindustrie zu komplex sei. Er schlägt deshalb eine Kapitalöffnung des Reaktorbereichs von Areva vor. Das dürfte Areva-Chefin Anne Lauvergeon missfallen. Areva war 2001 aus der Fusion des Reaktoranbieters Framatome und des atomaren Brennstoffkonzerns Cogema entstanden. Über diese Fusion sagt Proglio, sie sei vermutlich ein Fehler gewesen. Framatome war damals ein Zulieferer der Atomsparte. In dieser Rolle sähe Proglio den Bereich gerne wieder.

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