Industrie

_

Stromnetzausbau: Regulierer verweigert Netzbetreiber Tennet Lizenz

Zweifel an der finanziellen Ausstattung des Stromnetzbetreibers Tennet gab es schon länger. Nun ist klar: Das Unternehmen hat nicht genug Geld für den Ausbau der Netze. Der Regulierer verweigert die Lizenz.

Dem Stromnetzbetreiber Tennet bekommt keine Zertifizierung. Quelle: dapd
Dem Stromnetzbetreiber Tennet bekommt keine Zertifizierung. Quelle: dapd

BerlinDie Bundesnetzagentur hat dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet die Zertifizierung verweigert. Das Unternehmen habe „nicht die dafür zwingend notwendigen Nachweise über die erforderlichen finanziellen Mittel zur Erfüllung seiner gesetzlichen Netzbetriebs- und Ausbaupflicht erbracht“, teilte die Agentur am Freitag zur Begründung mit. Wenn ein Unternehmen sein Transportnetz ohne Erteilung der Zertifizierung betreibt, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar.

Anzeige

„Tennet hat selbst öffentlich gemacht, dass das Unternehmen die notwendigen finanziellen Mittel für die Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtung zur Anbindung von Offshore-Windparks nicht mehr aufbringen und unter den derzeitigen Rahmenbedingungen keine neuen Anbindungsleitungen mehr errichten kann“, kommentierte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums die Entscheidung der Netzagentur. Das Ministerium stehe in ständigem Kontakt mit Tennet, um Lösungen für die Finanzierungsprobleme zu suchen. 

Offshore-Windenergieleistung 2011 weltweit

„Wir appellieren nochmals an den niederländischen Eigentümer, Tennet das notwendige Kapital zur Erfüllung seiner gesetzlichen Pflichten bereitzustellen oder gegebenenfalls notwendige Änderungen in der Eigentümerstruktur herbeizuführen“, sagte die Sprecherin weiter.

Tennet hat in den vergangenen Monaten immer wieder selbst eingeräumt, mit der Finanzierung der Netzanbindung von Offshore-Windparks überfordert zu sein. Nach Darstellung des Unternehmens sind die Haftungsrisiken bei der finanziell aufwendigen und technisch anspruchsvollen Netzanbindung auf hoher See so hoch, dass sie sich nicht versichern lassen. Außerdem sei es wegen dieser Risiken im Moment nicht möglich, zusätzliche Investoren mit ins Boot zu holen.

Milliarden-Investitionen Das sind Deutschlands größte Kraftwerksprojekte

  • Milliarden-Investitionen: Das sind Deutschlands größte Kraftwerksprojekte
  • Milliarden-Investitionen: Das sind Deutschlands größte Kraftwerksprojekte
  • Milliarden-Investitionen: Das sind Deutschlands größte Kraftwerksprojekte
  • Milliarden-Investitionen: Das sind Deutschlands größte Kraftwerksprojekte

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Neuregelung der Haftungsfragen. Der Bundestag soll bis Ende des Jahres über die Neuregelung entscheiden. In den Bereich von Tennet fällt die Netzanbindung sämtlicher Offshore-Windparks in der Nordsee. Tennet betreibt außerdem eines der vier deutschen Übertragungsnetze auf dem Festland.

Bei Tennet gab man sich gelassen. „Der Betrieb geht weiter. Die Lichter gehen nicht aus“, sagte eine Tennet-Sprecherin. Es sei noch unklar, wie man auf den Bescheid reagieren werde. Man sei davon überzeugt, alle Kriterien für die Zertifizierung zu erfüllen. Entscheidend sei jetzt, dass man rasch eine Lösung für die Haftung bei der Offshore-Netzanbindung finde.

 

  • 09.11.2012, 17:21 UhrEcke

    Ach nee, Tennet ist eine 100 % Tochter des Niederländischen Staates. Muss der Autor irgend wie vergessen haben.

  • 09.11.2012, 17:57 UhrMazi

    Endlich mal wieder Journalismus!

    Jetzt ist doch klar, was passieren muss.

    Ausländer müssen bei uns ihren "grünen Strom" produzieren und ihn in ihr Land zu günstigsten Preisen einführen. Die Differenz zahlt der deutsche Kleinverbraucher.

    Das Strafgesetzbuch muss dringenst für die Abgeordnetenkorruption erweitert werden, damit derartige Fälle von der Justiz sauber und ordentlich verfolgt werden können.

    Wenn da kein System dahinter steckt, dann sind die "Würfel" aber sehr sonderbar nach einer Seite gefallen.

  • 09.11.2012, 18:59 UhrSmokie2012

    Es ist doch klar, dass niemand investieren wird, ohne Rendite oder sogar mit der Gefahr riesiger Verluste. Die Risiken sind nichtmal versicherbar.

    Das hat man sich bei Tennet wohl anders vorgestellt. Aber man kann den Niederländern keine Vorwürfe machen, sie kennen sich schließlich nicht im deutschen Energiemarkt aus. Warum wollten wohl die großen Konzerne ihre Netze verkaufen? Ja, warum denn wohl nur?? ^^

    Vielleicht weil die nur noch Kapital aufzehren werden, dessen Rückfluss im Jahr 3999 gegeben ist. Gigantische Kapitalabflüsse jetzt, Rückfluss am Sanktnimmerleins-Tag...Der Traum jedes Investors! :D

  • Die aktuellen Top-Themen
Ölbohrfirma: Catoil-Vorstand empfiehlt Annahme von Joma-Angebot

Catoil-Vorstand empfiehlt Annahme von Joma-Angebot

Die Aktionäre der österreichischen CAToil sollten das Übernahmeangebot von Großaktionär Joma annehmen. Das empfiehlt der Vorstand der Ölbohrfirma, auch wenn die Absichten des Bieterunternehmens noch unklar sind.

Erneuter Cyberangriff: Hacker stehlen mehr als eine Millionen Staples-Daten

Hacker stehlen mehr als eine Millionen Staples-Daten

Erneut muss ein amerikanisches Unternehmen einen Daten-Diebstahl durch Hacker vermelden. Mehr als eine Millionen Kreditkarteninformationen könnten die Angreifer bei der Büroartikel-Kette Staples erbeutet haben.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer