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18.07.2006 
Rekordjagd am Ölmarkt

Strompreise für Industriekunden klettern wieder

von Jürgen Flauger

Nach einer kurzen Verschnaufpause müssen Industriekunden wieder deutlich höhere Strompreise verkraften. Seit Mitte Mai sind die Notierungen im Großhandel, die auf die Verträge der Industrie durchschlagen, um über 20 Prozent gestiegen.

DÜSSELDORF. In den vergangenen Tagen hat der Höhenflug des Ölpreises dem Strommarkt noch einen zusätzlichen Impuls gegeben.

Mit einer Trendwende ist dabei nicht zu rechnen: „Die Preise ziehen wieder deutlich an und werden sicher noch weiter klettern“, sagt Alfred Richmann, Geschäftsführer des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), der die Großkunden vertritt. Der Verband rechnet für Industrie und Gewerbe in diesem Jahr mit einer zusätzlichen Belastung bei den Stromkosten von über drei Mrd. Euro. Die dramatische Entwicklung dürfte den Streit zwischen den Kunden und den Stromproduzenten um die Hintergründe der Preisbildung wieder verschärfen.

Am Terminmarkt der Leipziger Strombörse EEX kostete eine Megawattstunde Strom zur Lieferung im kommenden Jahr gestern knapp 58 Euro – zehn Euro mehr als noch Anfang Mai und nur knapp zwei Euro weniger als der bisherige Rekordwert Mitte April. Damit ist die kurze Phase der Entspannung schon wieder vorüber – und auch die Hoffnung auf eine grundsätzliche Trendwende. Anfang Mai waren die Notierungen im Stromgroßhandel zwischenzeitlich gesunken, nachdem zuvor die Preise im Emissionshandel, einem der wesentlichen Kostenfaktoren bei der Stromproduktion, eingebrochen waren.

Für die Industrie ist die Entwicklung an der EEX von entscheidender Bedeutung. Zwar handeln nur wenige Unternehmen direkt an der Börse, die meisten schließen mit ihren Versorgern bilateral langfristige Verträge. In neuen Verträgen wird der Börsenpreis in der Regel aber als Referenzwert herangezogen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hitzewelle kurbelt Strombedarf an

Die Versorger begründen den erneuten Höhenflug der Strompreise unter anderem mit der Hitzewelle, die europaweit den Strombedarf angekurbelt hat. Deutschland exportiere verstärkt Energie nach Südeuropa, wo wie in den Vorjahren wegen der Dürre Wasserkraftwerke vom Netz gegangenen seien. In den vergangenen Tagen habe die Rekordjagd des Ölpreises – der Leitwährung auf dem weltweiten Energiemarkt – die Stromhändler zusätzlich verunsichert. Die Notierungen der für die Kraftwerksbetreiber wichtigen Brennstoffe Erdgas und Kohle folgten mit Zeitverzögerung den Vorgaben vom Ölmarkt.

VIK-Geschäftsführer Richmann kann die Argumente allerdings nicht nachvollziehen: „Der Preis ist so deutlich gestiegen, dass sich das mit fundamentalen Faktoren nicht erklären lässt.“ Er erneuert vielmehr die Kritik der Industriekunden an der Marktmacht der vier großen Produzenten Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg, die 80 Prozent der deutschen Stromproduktion kontrollieren: „Das Oligopol der Produzenten ist die einzige konstante Größe im Strommarkt“, klagt Richmann.

Die Versorger fühlen sich zu unrecht attackiert. Eon-Energie-Chef Johannes Teyssen betonte vor wenigen Tagen, die Vertriebsorganisationen seines Unternehmens seien unmittelbar nach der Preiskorrektur im Mai auf Industrie, andere Versorger und Händler zugegangen, um diesen zu günstigen Preisen Strom zu verkaufen. Mit dieser Verkaufsoffensive habe die Handelstochter von Eon allein im Mai für die kommenden Lieferjahre 6 500 Gigawattstunden zu günstigen Preisen verkauft – ein Vielfaches im Vergleich zu den Vorjahren.

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