Stromversorger leidet unter Altlasten
EnBW erwartet Milliardenverlust

Der Strom- und Gasversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) erwartet für 2003 auf Grund riesiger Altlasten rund eine Milliarde Euro Verlust. Schon in der ersten Jahreshälfte erreichte der Fehlbetrag vor Steuern 927,3 Mill. €.

Reuters KARLSRUHE. Allein die Einmalbelastungen aus der Zeit seines Vorgängers Gerhard Goll beliefen sich auf rund 1,1 Mrd. €, sagte der seit Mai amtierende neue EnBW-Vorstandschef Utz Claasen am Donnerstagabend in Karlsruhe. Weitere 200 Mill. € seien im zweiten Halbjahr noch zu erwarten. Der gesamte Vorstand sei aber „einig darin, dass vor dem Hintergrund der eingetretenen Situation nun die Ärmel noch höher gekrempelt werden müssen als dies bisher beabsichtigt war“, teilte Claassen mit. Beobachter hatten schon erwartet, dass der nach der Kundenzahl drittgrößte deutsche Energieversorger alle möglichen Risiken in das laufende Jahr packen werde.

Vor einem Jahr hatte der Versorger noch 82,4 Mill. € Gewinn vor Steuern ausgewiesen. Claassen hatte jedoch bereits Anfang Juli nach einer ersten Bestandsaufnahme von mehreren Einzelrisiken in jeweils dreistelliger Millionenhöhe gesprochen und vor einem drohenden Verlust gewarnt. Finanzvorstand Bernd Balzereit nahm daraufhin seinen Hut. Bis 2006 will die EnBW nun rund eine Milliarde Euro einsparen, 350 Mill. € allein am Personal. „Es muss unsere vorrangige Bestrebung sein, das kurzfristige Ergebnisloch des Jahres 2003 so schnell wie möglich durch eine deutlich verbesserte operative Leistungsfähigkeit des Konzerns wieder aufzufüllen“, forderte Claassen. Dessen Umsatz stieg im ersten Halbjahr auf 5,67 (2002: 4,15) Mrd. €.

Die größten Abschreibungen wurden nach EnBW-Angaben auf die störungsanfällige Karlsruher Müllentsorgungsanlage Thermoselect (283 Mill. €), die teuer eingekaufte Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf (208 Mill. €) und die zum Verkauf stehenden Bestandteile Reste des traditionsreichen Schuh- und Dienstleistungskonzerns Salamander (195 Mill. €) fällig. Dazu seien Rückstellungen für den angekündigten Personalabbau und Wertberichtigungen auf Kapitalanlagen gekommen.

Das Kerngeschäft mit Strom und Gas, auf das Claassen den aus mehr als 300 Unternehmen bestehenden Konzern konzentrieren will, sei aber stabil, betonte die EnBW. Vor Zinsen, Steuern und vor Abschreibungen habe der Konzern dort im ersten Halbjahr allein 525 Mill. € Gewinn erwirtschaftet, 30 % mehr als im Jahr zuvor. Die EnBW legte ihre Geschäftszahlen erstmals nach internationalen Bilanzierungsstandards (IAS/IFRS) vor, passte aber auch die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr an die geänderten Regeln an.

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