Stromversorgung
Griechenland droht der Energie-Kollaps

In Griechenland droht ein Zusammenbruch der Stromversorgung. Der Erdgas-Konzern DEPA kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen und könnte deswegen seine Lieferungen an Stromproduzenten einstellen.
  • 13

AthenDem krisengeplagten Griechenland droht der Zusammenbruch der Energieversorgung. Die Aufsichtsbehörde setzte am Freitag ein Krisentreffen für die kommende Woche an, um den Kollaps des Strom- und Erdgasnetzes noch abzuwenden. Der Erdgas-Konzern DEPA hat Energiekreisen zufolge nicht mehr genügend Bargeld, um fällige Rechnungen über insgesamt 120 Millionen Euro bei der italienischen Eni, der türkischen Botas und Gazprom aus Russland zu begleichen.

Sollte DEPA wiederum seine Lieferungen einstellen, wären die unabhängigen Stromproduzenten wie Elpedison, Mytilineos, Heron und Corinth Power - die rund 30 Prozent der Nachfrage abdecken - zur Einstellung ihres Betriebs gezwungen. In einem Reuters vorliegenden Brief von DEPA an die Aufsichtsbehörden drohte der Konzern mit einer Kürzung seiner Erdgas-Lieferungen, mit denen Strom produziert wird.

Eine Energiekrise würde zu den massiven politischen und finanziellen Probleme hinzukommen und könnte noch vor der Parlamentswahl am 17. Juni bei Unternehmen und Privathaushalten für Stromausfälle sorgen. Griechenland droht in wenigen Wochen das Geld auszugehen, sollten die internationalen Geldgeber ihre Zahlungen einstellen. Eine Energiekrise würde das Mittelmeer-Land mitten in der Tourismussaison treffen - die Branche ist einer der wichtigsten verbleibenden Umsatzbringer der kriselnden Wirtschaft.

Der Chef der Aufsichtsbehörde RAE, Nikos Vasilakos, sagte Reuters, in der kommenden Woche würden Krisenmaßnahmen unternommen, um den Kollaps des Erdgas- und Stromnetzes zu verhindern. DEPA und die betroffenen anderen Konzerne seien für Mittwoch zum Krisentreffen einbestellt worden. DEPA-Chef Haris Sahinis wollte sich zur Finanzsituation des Konzerns nicht äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Stromversorgung: Griechenland droht der Energie-Kollaps"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich glaube kaum, wenn Sie die griechische Mentalität kennen, dass dieses Volk von selbst ohne harte Maßnahmen von selbst zur Einsicht kommt. Dafür hat man sich in diesem Land über zu viele Jahre an den süßen Lebensstil gewöhnt und ist nicht bereit auch nur einen Bruchteil davon wieder abzugeben.

  • Wer Griechenland kennt, der weiss auch über den Umgang der Griechen mit Energie bescheid. Da wird Wasser in Privathaushalten regelrecht verschwendet (kostet ihn auch so gut wie nichts, Preisvergleich Wasserkosten in Griechenland zu Deutschland). Trotz angeblicher Wasserknappheit wird das kostbare Gut sinnlos vergossen.
    Der Hausmüll wird so gut wie kaum getrennt. Alles wandert unsortiert in die Sammelmülltonne und wird dann unter dem Protest der Griechen kostspielig in ungeliebten Mülldeponien vergraben. Eine Rückgabe von Plastikflaschen zur Wiederverwertung findet nicht statt. Die Straßen in Athen sind in der Nacht so beleuchtet, dass man während der Autofahrt im Auto die Zeitung lesen kann. Es gibt in Griechenland faktisch keinen Bezug zur Einsparung von irgend einer Energieform. Die Energiekosten waren in der Vergangenheit anscheinend immer zu niedrig (vor 3-4 Jahren kostete der Sprit etwas halb soviel wie in Deutschland) oder die Griechen haben so viel Geld, sich den verschwenderischen Stil von Energieverbrauch leisten zu können.

  • Merkel weiss was die Griechen brauchen, sie brauchen eine sogenannte "Energiewende" (tm) (Energiewende ist eine Handelsmarke der Gruenen).

    Die Energiewende ist deshalb ideal fuer Griechenland, weil sie uns deutschen die hoechsten Strompreise in unserer Geschichte seit Erfindung der Dampfmaschine eingebracht hat.

    Aber wie "habens ja", wir sind ein "reiches" Land das sich alle Schikanen leisten kann. Wie sagt doch Schaeuble immer beim Steuern erhoehen? "Ein bischen was geht immer noch!"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%