Strukturumbau: Bauwirtschaft erhofft sich Milliarden von Energiebranche

Strukturumbau
Bauwirtschaft erhofft sich Milliarden von Energiebranche

Die Bauwirtschaft setzt große Hoffnungen in den Umbau der Energieversorgungsstruktur. Nach Einschätzung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und des Bundesverbandes Baustoffe ergeben sich aus dem erforderlichen Neubau von Kraftwerken und dem Ausbau der erneuerbaren Energien milliardenschwere Chancen.
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BERLIN. "Aus der Kombination einer sinkenden Zahl von fossilen Kraftwerken bei gleichzeitigem Zuwachs der erneuerbaren Energien ergibt sich ein wachsender Bedarf an Ersatzkraftwerken", sagte Hubertus Bardt, Energieexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), bei dem Bau- und Baustoffindustrie ein Gutachten in Auftrag gegeben hatten. Tatsächlich steht der Stromerzeugungssektor vor großen Umbrüchen. Insgesamt gilt der deutsche Kraftwerkspark als überaltert. Verschiedene Studien, etwa der Deutschen Energie-Agentur (Dena), belegen, dass etliche Kohlekraftwerke in Deutschland in den nächsten Jahren vom Netz gehen dürften, weil sie älter als 40 Jahre sind und damit das Ende ihres Lebenszyklus' erreicht haben. Gleichzeitig erfordert der verstärkte Einsatz der Erneuerbaren Ersatzkapazitäten: Wenn sich kein Windrad dreht, müssen konventionelle Kraftwerke einspringen. Besonders geeignet sind dafür Gaskraftwerke, weil sie sich sehr schnell zu- und auch wieder abschalten lassen.

Nach Berechnungen des IW stehen bis 2030 Investitionen in fossile Kraftwerke in einem Volumen von bis zu 43 Mrd. Euro an. Das Rohbauvolumen beziffert IW-Experte Bardt auf 5,2 Mrd. Euro. Davon werden etliche hundert Mio. Euro allein für Beton zu Buche schlagen.

Doch die Bauwirtschaft profitiert nicht nur von den Neubauten fossiler Kraftwerke. Auch bei Windkraftanlagen auf hoher See spielt sie eine tragende Rolle. "Allein für die geplanten 40 Offshore-Windpars in Nord- und Ostsee kommt ein Investitionsvolumen von 75 Mrd. Euro auf uns zu, davon 20 bis 30 Mrd. Euro Bauinvestitionen für die Gründung", sagt Herbert Bodner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Hinzu kommt der Ausbau der Netze. Mit dem Vormarsch der Windkraft verlagert sich die Stromerzeugung in den Norden und Nordosten Deutschlands, die Verbrauchszentren liegen jedoch im Westen Südwesten. Das macht erhebliche Investitionen in neue Übertragungsnetze erforderlich. Auch dabei ist die Bauwirtschaft mit im Boot, ebenso beim Bau neuer Pumpspeicherkraftwerke. Ihre Funktionsweise: In Zeiten von Stromüberfluss wird Wasser in ein hoch gelegenes Becken gepumpt. Wird kurzfristig Strom gebraucht, schießt das Wasser aus dem Becken talwärts und treibt eine Turbine zur Stromerzeugung an. Aus sie werden künftig verstärkt gebraucht, um die Volatilität bei der Stromproduktion aus Wind oder Sonne auszugleichen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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