Studie
Firmen nutzen Frühwarnsystem nicht

Konzerne in aller Welt haben sich in Boomjahren dazu verleiten lassen, Höchstpreise für Neuerwerbungen zu zahlen. Sie hofften darauf, dass die Geschäfte in Zukunft glänzend laufen. In den Bilanzen schlägt sich das mit enormen Geschäfts- oder Firmenwerten nieder. Doch diese Wette könnte nun nach hinten losgehen.

DÜSSELDORF. Der sogenannte Goodwill ist ein Hoffnungswert auf die Neuerwerbung – und beträgt nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Durchschnitt mehr als 50 Prozent der Akquisitionskosten. Einige Branchen wie Internet und E-Commerce haben sogar 70 Prozent Goodwill gezahlt.

Das Resümee der KPMG-Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ist alarmierend: „In Zeiten sich eintrübender Konjunkturprognosen und unsicherer Zukunftserwartungen schlummern häufig erhebliche Risiken in den Bilanzen, die ihre Ergebniswirkung genau dann entfalten, wenn die Unternehmen es am wenigsten vertragen können.“ Und genau in dieser Situation ist die Wirtschaft heute, inmitten der schärfsten Rezession seit Jahrzehnten. KPMG-Partner Christian Klingbeil, einer der Autoren der Studie, spricht von „signifikanten Werthaltigkeitsrisiken“. KPMG hat 342 ausgewählte Transaktionen aus 14 Branchen für den Zeitraum 2003 bis 2007 analysiert.

Die vergangenen Jahre waren zweifellos eines Hochphase für Unternehmensübernahmen – bis zum Sommer 2008. Der Wettlauf um die begehrten Objekte der Begierde hat die Preise in die Höhe getrieben. Viele Käufer waren zudem bereit, saftige Bieterprämien obendrein zu zahlen, um dem Konkurrenten die Beteiligung vor der Nase wegzuschnappen.

So hat beispielsweise der Pharmakonzern Astra-Zeneca nach dem Kauf von Medimmune 8,8 Mrd. Dollar Goodwill ausgewiesen; der Kaufpreis selbst lag bei 15,7 Mrd. Dollar. Noch drastischer zeigt sich die Hoffnung auf glänzende Zukunftsgeschäfte bei Google: Die Videoplattform Youtube kostete zwar 1,2 Mrd. Dollar, der Geschäfts- und Firmenwert machte aber in der Bilanz 1,1 Mrd. Dollar aus. Nicht ohne Grund führt die Internetbranche die Hitliste des Goodwills zu Übernahmekosten an.

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