Studie fragt Unternehmen in schwierigen Situationen nach Überlebensstrategien
Schweizer Firmen bemerken Krisen zu spät und reagieren falsch

Von den 500 größten Schweizer Unternehmen ist jedes zweite in den vergangenen fünf Jahren in eine Krise geraten. Die meisten haben sie bewältigt. Was Auslöser der Krise waren und wie das Unternehmen sich schließlich aus der Schlinge gezogen hat, haben die Wirtschaftsprüfer von KPMG gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Zürich erforscht.

oli ZÜRICH. Sie legten ihre Studie zur „Früherkennung und Überwindung von Unternehmenskrisen“ vergangene Woche in Zürich vor. Die Wissenschaftler definieren eine Krise als Unterbrechung in der Entwicklung eines Unternehmens, die schließlich zu einer Existenzgefahr werden kann. Spätestens wenn wegen einer falschen Strategie die Erträge wegbrechen und die Liquidität bedrohlich abnimmt, müssten die Alarmglocken schrillen – was sie aber mitunter nicht tun, wie Fälle wie Swiss oder die zusammengebrochene Unternehmensgruppe Erb zeigen. Das niemand rechtzeitig aufgerüttelt wird, liegt an den mangelnden Kontrollinstrumenten, haben die Wissenschaftler herausgefunden. Nur knapp die Hälfte der Unternehmen verfügt der Studie zufolge über eine interne Revision. Von den Unternehmen, die über eine solche interne Revision verfügen, glauben allerdings 64 %, dass die in der Lage wäre, Unternehmenskrisen rechtzeitig zu identifizieren. Auch die Unabhängigkeit der Verwaltungs- bzw. Aufsichtsräte sei ein Problem. „Es braucht jemanden, der den Mut hat, aufzustehen“, sagt Dieter Widmer, KPMG-Geschäftsleitungsmitglied und Mitautor der Studie.

Der nächste Schwachpunkt ist der Umgang mit der Krise, wenn sie denn ausgebrochen ist. Nur 44 % der Firmen haben ein institutionalisiertes Krisenmanagement. Darunter verstehen die Wissenschaftler eine Unternehmensstruktur, bei der sich nicht nur Verwaltungs- bzw. Aufsichtsrat und Geschäftsleitung darum kümmern, die Firma wieder auf Kurs zu bringen. Vielmehr gehöre eine auf die Krisenbewältigung spezialisierte Abteilung und deren regelmäßige Berichterstattung an das Management dazu: Die Chefs dürften sich nicht auf ihr Bauchgefühl verlassen, sagt Widmer.

Der „menschliche Faktor“ ist letztlich der größte Hinderungsgrund zur Überwindung einer Unternehmenskrise. Die Einsicht, dass das Management selbst nicht ganz unschuldig an Krisensituationen sein kann, haben die Betroffenen naturgemäß selten. Dem entgegen steht die Erkenntnis, dass die meisten Krisenunternehmen letztlich nicht umhin kamen, ihr Management auszutauschen. Neben Kündigungen sei dies, so sagen die Befragten, eines der probatesten Mittel, damit es wieder aufwärts geht. Eine Neuausrichtung der Geschäftsbereiche, ein striktes Finanzmanagement so wie – an letzter Stelle – die Kommunikation eines Sanierungskonzepts gegenüber Mitarbeitern, Aktionären und Kreditgebern gehören außerdem zum bewährten Katalog der Restrukturierungsmaßnahmen.

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