Studie: Kleine Firmen wie Gildemeister und Thiel erhalten dagegen gute Noten: Großunternehmen stehen in der Kritik

Studie: Kleine Firmen wie Gildemeister und Thiel erhalten dagegen gute Noten
Großunternehmen stehen in der Kritik

Über drei Viertel der 100 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland wird in den Medien nur wenig berichtet. Das ergibt eine Studie des Bonner Meinungsforschungsinstituts Medien-Tenor. Die Medienanalysten haben untersucht, wie häufig und wie gut deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr in über 225 000 Print-, Radio- und Fernsehberichten wegkamen.

hut DÜSSELDORF. Über Dax-30-Unternehmen wurde zwischen Januar und November 2004 am häufigsten berichtet. In der qualitativen Wertung der Berichterstattung liegen sie jedoch nur im Mittelfeld, weil sie häufig Kritik einstecken mussten. Die besten Noten in den Medienberichten heimsten die mittleren und kleinen börsennotierten Gesellschaften ein.

Diese Unternehmen haben dafür ein quantitatives Problem: Trotz guter Zahlen finden sie kaum den Weg in die Medien. „Die DAX-30-Unternehmen haben den Wert von Information und von aktiver Medienarbeit wesentlich besser begriffen als die vermeintlich kleineren“, sagt Roland Schatz, Geschäftsführer von Medien-Tenor und ergänzt: „In dem Moment, wo der Sprung vom M- oder S-DAX in den ,richtigen’ Dax ansteht, denken viele Vorstände um und verstehen, dass Kommunikation mehr ist als eine lästige Pflicht.“

So überrascht es nicht, dass Daimler-Chrysler als umsatzstärkstes Unternehmen mit 6 218 Nennungen am häufigsten in den Medien präsent war. Vergleicht man jedoch das Verhältnis positiver und negativer Berichte, überwiegen beim Autogiganten die Negativschlagzeilen. Kein Wunder, schließlich war 2004 ein turbulentes Jahr mit internen Nachfolgeproblemen, der Sorge um Mitsubishi und Anlegerstreitigkeiten.

Die Experten von Medien-Tenor sprechen von einer hohen Präsenz, wenn mehr als 600 Berichte vorliegen. Bis 330 Treffer reicht das Mittelfeld, darunter sprechen sie von geringer Medienpräsenz.

Vergleicht man die Branchen, so fällt auf, dass Pharma im vergangenen Jahr wenig Aufmerksamkeit genoss. Altana, Merck und Co. liegen mit durchschnittlich 161 Nennungen eher auf den hinteren Rängen. Ausnahme: Schering. Über das Berliner Pharmaunternehmen erschienen 451 Berichte. „Wir sind 2004 eine offensive Kommunikationspolitik gefahren“, sagt Kommunikationschef Christof Ehrhardt.

Dazu kommt, dass Schering nach der Gewinnwarnung im Jahre 2003 weiterhin im Fokus der Medien stand. Daneben pflegt Schering auch eine enge Zusammenarbeit mit den Wissenschaftsressorts der Boulevardblätter und Frauenzeitschriften.

Eine andere Strategie fährt Fresenius Medical Care - eine Ausnahme unter den Dax–30–Mitgliedern. Der Dialysespezialist kommt gerade mal auf 97 Treffer und liegt damit auf Platz 57 der medienpräsenten Unternehmen. „Fresenius legt weniger Wert auf Quantität als auf Qualität in der Berichterstattung“, erklärt Sprecher Joachim Weith seine Kommunikationsstrategie. Sein Konzept geht auf: Wenn Fresenius in den Medien vorkam, dann überwogen die positiven Berichte.

Die Spitzenreiter mit positiver Berichterstattungsbilanz gehören nicht zum Dax 30. Ein Beispiel ist der Sportartikelhersteller Puma. Gerade mal 226 Berichte und Meldungen beschäftigten sich mit den Unternehmen aus Herzogenaurach. Aber in den Inhalten liegt der Saldo zwischen negativer und positiver bei über 50 Prozentpunkten. Verständlich, denn die Franken legten im Geschäftsjahr 2003 beim Umsatz (+28 Prozent), Börsenwert (+119 Prozent) und Mitarbeitern (+33 Prozent) gewaltig zu.

Spitzenreiter unter den Branchen ist die Automobilbranche. DaimlerChrysler, VW, BMW und Porsche brachten es auf durchschnittlich 3 500 Medienberichte. Porsche erntete dabei am meisten Positivmeldungen. Der Saldo der Negativ- und Positivbewertungen kam auf 23 Prozentpunkte. Für Fresenius-Sprecher Weith kommt das nicht überraschend, schließlich sei Dialyse nicht so sexy wie der neue Porsche.

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