Studie zu Sanierungsplänen
Manager reagieren zu spät auf Krisen

Dass Zeit Geld ist, gilt besonders in der Krise. An jedem ungenutzten Tag können sich erhebliche Summen verflüchtigen. Dennoch brauchen europäische Firmen im Schnitt 16 Monate, um auf eine erkannte Krise zu reagieren und mit dem Umbau ihrer Strukturen zu beginnen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Roland Berger Strategy Consultants, die das Krisenverhalten der Top-Manager von 2 575 Unternehmen in West- und Osteuropa untersucht hat.

HB FRANKFURT. Die Studie offenbart auch, dass Anspruch und Wirklichkeit des Restrukturierungs-Managements teilweise weit auseinander klaffen. So halten es 61 (Deutschland: 63) Prozent der Befragten für einen wesentlichen Erfolgsfaktor, die Restrukturierung zur Chefsache zu machen – praktiziert wird das aber nur in 38 (Deutschland: 35) Prozent der Unternehmen. Für wichtig halten 51 Prozent der deutschen Manager (Europa: 39 Prozent) ein ganzheitliches Konzept, aber nur 33 (Europa: 25) Prozent setzen es um.

Immerhin zeigen die Deutschen recht schnelle Reaktionen. Fast zwei Drittel von ihnen starten Kurskorrekturen innerhalb von zwölf Monaten, nachdem sie eine Kriese erkannt haben. Der europäische Schnitt liegt bei 52 Prozent, und nur 49 Prozent der Osteuropäer reagieren im Einjahres-Zeitraum. „Deutsche Manager haben inzwischen ein hohes Maß an Krisenerfahrung“, begründet Berger-Partner Michael Blatz das schnellere Handeln. „Das liegt nicht zuletzt an der konjunkturellen Entwicklung, die sie zu ständigem Gegensteuern zwingt.“ Das gelte in anderen EU-Ländern nicht in diesem Ausmaß. Die deutschen Manager stehen ebenfalls gut da, wenn es darum geht, brenzlige Entwicklungen beizeiten zu erkennen. 32 Prozent reagieren bereits auf die „strategische Krise“. Im Szenario von Roland Berger ist das die erste von drei Krisen-Phasen, zu erkennen an gravierenden Marktveränderungen wie dem Auftauchen neuer Wettbewerber oder neuer Produkte, die die eigenen ersetzen können. Im europäischen Durchschnitt handeln 29 Prozent der Unternehmen in dieser Phase.

Danach allerdings kommt die Zeit der Zauderer. Die Ergebniskrise, die der nicht bemerkten strategischen Krise folgt, bewegt nur 51 Prozent der deutschen Unternehmen zu Gegenmaßnahmen – 17 Prozent schliddern in die bedrohlichere Phase der Liquiditätskrise. „Eine ordentliche deutsche Bilanz kann eine Krise bis zu zwei Jahre lang verkraften, ohne dass es auffällt“, sagt Berger-Principal Max Falckenberg als Erklärung. Zur Liquiditätsenge lassen es im übrigen Westeuropa nur neun Prozent der Unternehmen kommen, in Osteuropa allerdings 25 Prozent.

Blatz warnt denn auch davor zu zögern: „Je später das Management eingreift, umso geringer werden seine Handlungsspielräume.“ Das gilt zunächst für die Finanzen. Doch andere Risiken nehmen ebenfalls auf der Zeitachse überproportional zu. „Wenn sich das Krisenvirus erst einmal im Unternehmen ausbreitet, kann es schnell bergab gehen“, hat Blatz beobachtet.

Er nennt die Auswirkungen einer erkannten, aber nicht angepackten Fehlentwicklung: „Die Stimmung im Unternehmen sinkt, Service und Produktqualität verschlechtern sich, Kunden werden unzufrieden, der Umsatz sinkt, Banken stellen kritische Fragen, gute Mitarbeiter halten Ausschau nach einem neuen Job – alle sehen zu, wie das Wasser aus der Wanne läuft, aber niemand drückt den Stöpsel hinein.“

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