Studie zum Niedergang
Deutsche Solarbranche vor der Sonnenfinsternis

Mit Milliardensummen hält die Politik die deutsche Solarindustrie am Leben. Doch eine Studie zeigt: Der frühe Tod der einstigen Vorzeigebranche ist nicht mehr aufzuhalten. Für den Niedergang gibt es sieben Gründe.
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DüsseldorfEs gab Zeiten, da feierten deutsche Firmen wie Q-Cells und Solarworld rauschende Partys. Luxusschiffe wurden angemietet, um Kunden zu imponieren. Kosten spielten keine Rolle.

Doch diese Zeiten sind für deutsche Solarunternehmen vorbei. Bei der größten Leistungsschau der Solarwirtschaft „Intersolar“, die gestern in München eröffnete, haben vor allem chinesische Firmen wie Weltmarktführer Suntech oder sein Rivale LDK Grund zum Feiern.

Denn in keiner anderen Branche haben sich seit 2007 die Machtverhältnisse so radikal geändert wie in der Solarindustrie. Auf dem damaligen Höhepunkt des Solarbooms beherrschten die Deutschen über 20 Prozent des Weltmarkts. Heute sind es nur noch gut sechs Prozent.

Und der Niedergang wird sich fortsetzen. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die dem Handelsblatt vorliegt, werden „künftig nur etwa zehn Modulhersteller den Weltmarkt beherrschen“. Ob ein deutscher Konzern, etwa der hiesige Marktführer Solarworld, dabei sein wird, ist zweifelhaft. Denn die Produktionskosten deutscher Unternehmen sind bis zu 15 Prozent höher als die der asiatischen Konkurrenten.

Es gibt mehrere Gründe für den Niedergang der einstigen deutschen Vorzeigebranche. „Viele der deutschen Unternehmen hatten kein klares zukunftsfähiges Geschäftsmodell und setzten auf zu viele Technologien“, sagt Wolfgang Weger, Energieexperte bei Oliver Wyman. So versuchte etwa Q-Cells - inzwischen insolvent -, sich vom Zellfertiger zum Produzenten fertiger Solarmodule zu wandeln. Pünktlich zum Auftakt der „Intersolar“ beantragte auch der Dresdener Modulhersteller Solarwatt Gläubigerschutz.

So paradox es klingt: Hauptgrund für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen ist ausgerechnet die deutsche Subventionspraxis. Die üppige, von den Stromkunden bezahlte finanzielle Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ließ die Firmen träge werden. Sie verführte die einstigen Vorreiter zur Bequemlichkeit, sie nahm ihnen, wie ein schleichendes Gift, die Innovationskraft. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung blieben „gefährlich gering“, so das Zentrum für Solarmarktforschung (ZSF). Der koreanische Konzern LG etwa gibt an, seit 2009 genau 172 Patente angemeldet zu haben. Bei Solarworld waren es 75.

Um welche Dimensionen es bei der Förderung geht, zeigt ein vertrauliches Strategiepapier des Bundesumweltministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt. Darin werden erstmals Berechnungen von Experten bestätigt, wonach alle bis heute installierten EEG-Anlagen bis 2031 Fördergelder von 150 Milliarden Euro erhalten. Alleine auf die Solarindustrie entfallen 85 Milliarden Euro.

Hauptprofiteure der Förderung sind auch nicht mehr deutsche Firmen, sondern asiatische. Nur noch 15 Prozent der auf deutschen Dächern installierten Solaranlagen stammen aus deutscher Produktion, ermittelte das ZFS. China geht einen anderen Weg: Es fördert nur chinesische Firmen.

Handelsblatt Online zeigt die sieben Fehler der deutschen Solarstrategie auf.

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  • Hier scheißen unsere Politiker vor China in die Hose.
    Wir müssen mit unserer Rechnung die Solarindustie in China fördern.
    Der Eid den unsere Politiker leisten ist ein Meineid wird aber nicht bestraft.
    (Der Nutzen für das deusche Volk mehren)
    Dann gut Nacht.

  • Der Artikel greif an vielen, sehr vielen Stellen zu kurz! Ziel des EEG war(!) es eine Technologie, welche auf Grund ihrer Marktunreife, jedoch mehr noch der bestehenden Netzwerkeffekte, es bei gegebenen Umständen nicht geschafft hätte Wettbewerbsfähig zu werden, einen Anschub zu geben. Natürlich hat das EEG es allen Martteilnehmern sehr einfach gemacht, aber das Ziel war es die Kosten zu reduzieren. Leider war die Solarbranche damit zu erfolgreich... Dies führte zu extrem ansteigenden Installationszahlen und damit auch Förderkosten, mit der nachfolgenden müßigen Diskussion. Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr eine ideologisch verbohrte Diskussion zu führen, welche vor allem von den Vertretern der nicht-erneuerbaren aus einem wenig inhaltsschwangerem von eherblicher kognitiver Dissonanz geprägtem Blickwinkel geführt wird. Wir sollten uns über eine Zielvekotr unterhalten welcher neben den reine Gestehungskosten auch folgendes beinhaltet: Energieimportabhängigkeit, CO2-kosten, nicht internalisierte externe Effekte (Endlagerkosten, saurer Regen, globale Erwärmung nebst folgen, Asthmaerkrankungen, etc. ), Opportunitätskosten der Subventionierung der Nichterneuerbaren, Riskioüberwälzung von Kraftwerksbetreibern auf die Gesellschaft u.v.m..
    Ich bin kein "Ökofaschist" und eigentlich ein überzeugter HB-leser, allerdings habe ich Sorge, dass man die Thematik langsam unter dem Thema "nicht-vermittelbar" behandeln muss. Der HB Artikel hat leider nicht viel Konstruktives beigetragen udn ist mit gefährlchem Halbwissen gespickt...
    Für inhaltliche Anregungen bin ich erreichbar unter stefanpHB-120614@yahoo.de

  • Ach Gottchen.... Was wollen Sie denn mit noch mehr Solarstrom um die Mittagszeit im Sommer sinnvolles anfangen? Richtig nichts. Und auch auf lange Sicht wird Brankohlenstrom etwa 3 Cent die kWh in der Erzeugung kosten. Mit einem entscheidenden Vorteil: der Strom kommt auch nachts und im Winter aus der Steckdose.
    Es gibt nicht nur ökonomische Gründe, die gegen jede weitere Solarzelle sprechne sondern auch sehr handfeste technsiche. Wer die physikalisch-technische Realität ausblendet, glaubt natürlich an eine solare Zukunft.

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