Studien
Kreditnot treibt Firmen in die Pleite

Bei großen Namen wie Karstadt oder Opel fällt es besonders auf, wie nahe des Risiko einer Insolvenz vielen Firmen ist. Doch unabhängig von der Frage nach Staatshilfe verschwinden tausende Unternehmen pro Monat, weil sie pleite sind. Und es wird immer schlimmer. Die Zahl der Insolvenzen wird steigen, sagen Experten. Und Schuld sind vor allem die Banken.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die restriktive Kreditvergabe der Banken treibt nach Einschätzung von Insolvenzverwaltern immer mehr Firmen in die Pleite. Nach einer Untersuchung der Universität Mannheim für den Kreditversicherer Euler Hermes sagen 81 Prozent der Insolvenzanwälte, dass die Kreditklemme „stark“ oder im „mittleren Umfang“ Auslöser für die Insolvenz der von ihnen betreuten Unternehmen sei. Banken trauten sich nicht, Finanzierungen zu übernehmen, und zögen sich schon bei Hinweisen auf Schwierigkeiten zurück, heißt es in der Studie, die auf einer Befragung der 107 führenden deutschen Insolvenzverwalter basiert.

Rund 39 Prozent geben sogar an, die Kreditverweigerung sei „zentrale Ursache“ für die Insolvenz von kleinen Mittelständlern. Damit werde „die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland verschärft“, klagt Georg Bitter, Professor am Zentrum für Insolvenz und Sanierung der Uni Mannheim (ZIS).

Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundesbank-Präsident Axel Weber haben die deutschen Banken zum wiederholten Mal aufgefordert, die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterzugeben. Sollte dies nicht geschehen, werde die Notenbank das Bankensystem umgehen müssen, um sicherzustellen, dass der Wirtschaft genügend zinsgünstige Kredite zur Verfügung stünden, kündigte Weber an.

Am Mittwoch hat die EZB erstmals den Banken Geld für ein ganzes Jahr geliehen – zu einem Zinssatz von einem Prozent. An mehr als 1 000 Banken zahlte sie insgesamt 442 Mrd. Euro aus. Dies ist die höchste Liquiditätsspritze, die die EZB je gewährt hat. In Reaktion darauf sagte Steinbrück: „In Deutschland gibt es keinen Grund, Kredite zu verweigern, weil angeblich nicht genügend Kapital vorhanden ist.“

Bankenvertreter weisen die Vorwürfe zurück. „Wir haben bis Ende April neue Darlehenszusagen an Unternehmen und Selbstständige in Höhe von 19,4 Mrd. Euro gegeben, das ist ein Zuwachs von acht Prozent im Vergleich zu den ersten vier Monaten im Vorjahr“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Ähnlich äußerte sich der Bundesverband der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken.

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