Studienflop
Biotechfirma Agennix droht das Aus

Nachdem das wichtigste neue Medikament der Biotechfirma Agennix gescheitert ist, muss die Firma um ihre Zukunft bangen. Die Aktie stürzte um 75 Prozent ab.
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FrankfurtDie Biotechfirma Agennix muss nach dem Scheitern ihres wichtigsten neuen Medikaments um ihre Zukunft bangen. "Wir prüfen alle Optionen einschließlich einer Abwicklung des Unternehmens", sagte Vorstandssprecher und Finanzchef Torsten Hombeck am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Anleger reagierten schockiert. Die Agennix-Aktie stürzte zeitweise um 75 Prozent auf 45 Cent ab. "Das ist eine riesige Enttäuschung", kommentierte das Brokerhaus Equinet.

Für die deutsche Biobranche, die zuletzt mit einer Reihe von hoffnungsvollen Nachrichten aufwartete, ist das drohende Aus von Agennix ein großer Rückschlag. SAP -Mitgründer Dietmar Hopp, der die Mehrheit an Agennix hält, zählt zu den größten Geldgebern der Branche. Agennix hatte am Montagnacht mitgeteilt, dass der große Hoffnungsträger Talactoferrin bei der Behandlung von Lungenkrebs in einem Test durchgefallen ist. In der Studie konnte Talactoferrin im Vergleich mit einem Placebo das Leben der Patienten nicht verlängern. Auf einem Erfolg der Substanz als Lungenkrebspräparat ruhten zuletzt die Hoffnungen des Unternehmens. "Wir werden sofort Maßnahmen ergreifen, um unseren Barmittelbestand zu schonen", kündigte Hombeck an. Details zur künftigen Unternehmensplanung sollen bald bekanntgegeben werden. Agennix hatte bereits im Februar einen herben Rückschlag erlitten, als eine klinische Studie mit Talactoferrin zur Behandlung von schweren Blutvergiftungen abgebrochen wurde.

Die Biotechfirma war 2009 mit dem Rivalen GPC Biotech fusioniert, als GPC nach dem Scheitern seines wichtigsten Krebsmittels Satraplatin vor dem Aus stand. Nur die Fusion mit Agennix hatte GPC damals das Weiterbestehen gesichert. Das Krebsmittel Satraplatin findet sich heute auf der Liste der Entwicklungskandidaten von Agennix.

An dem Lungenkrebstest der Phase-III nahmen 742 Patienten teil, bei denen zuvor zwei oder drei andere Therapien den Krebs nicht mehr aufhalten konnten. Im Mittel lebten die Patienten, die Talactoferrin erhielten, noch 7,5 Monate. In der Vergleichsgruppe, die ein Placebo bekamen, waren es allerdings 7,7 Monate. "Wir beabsichtigen, die Daten sorgfältig zu analysieren, um ein besseres Verständnis dieses Ergebnisses zu erlangen", erklärte Forschungschef Rajesh Malik. Neue Arzneien müssen vor der Zulassung drei Erprobungsphasen am Menschen bestehen. Ein Rückschlag in der dritten Phase ist für die Unternehmen daher besonders hart.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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