Stuttgarter Unternehmen
Industrie profitiert vom Solarboom

Bosch geht zur Sache: 1,1 Mrd. Euro lässt sich der Stuttgarter Automobilzulieferer die Übernahme von Ersol Solar Energy kosten. Das Bundeskartellamt hatte den Kauf vor wenigen Wochen ohne Auflagen genehmigt. Der Kauf von Ersol könnte der Startschuss einer großen Übernahmewelle sein, bei der Stuttgarter Unternehmen kräftig mitmischen wollen.

STUTTGART. Bis zum 8. August bietet Bosch den Anteilseignern von Erosol 101 Euro je Aktie. Das ist weit mehr, als Analysten erwartet hatten. Zum Zeitpunkt der Offerte von Bosch lag der Preis der Erosol-Aktie um 68 Prozent über dem Durchschnitt der drei vorhergegangenen Monate. Bosch-Chef Franz Fehrenbach treibt mit Macht das Solargeschäft voran. Schon 2010 sollen regenerative Energien zwischen 1,5 und zwei Mrd. Euro zum Konzernumsatz beitragen.

Der Kauf von Ersol könnte der Startschuss einer großen Übernahmewelle sein, bei der die Stuttgarter Unternehmen kräftig mitmischen wollen. Die Region profitiert vom Boom der Solarindustrie wie kaum eine andere Stadt. Unternehmen aus der Metropolregion gehören zu den erfolgreichsten der Welt: Daimler und Bosch, M+W Zander, Würth und andere stehen für zukunftsweisende Technologien. Und mit 18 Zulieferern, sieben Solarmodulherstellern und sechs Großhändlern ist die Region dabei ein Zentrum der Solarbranche.

Die Konzentration von Photovoltaik-Unternehmen im Raum Stuttgart kommt nicht von ungefähr. Die vielen technologieorientierten Unternehmen hätten mit den örtlichen Forschungseinrichtungen beste Voraussetzungen für die Zusammenarbeit, sagt Manfred Müller, Referatsleiter Innovation, Umwelt und Energie bei der IHK der Stadt.

Ein Beispiel sei das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden- Württemberg, das gemeinsam mit der Universität die Solarmodul-Dünnschicht-Technik CIS entwickelt hat. Ein Zukunftsprojekt, mit dem die Branche schon jetzt gutes Geld verdient: Bereits 2006 hatte Würth Solar in Schwäbisch Hall mit der Großserienfertigung von CIS-Zellen begonnen. Auch die Nanotechnologie wird eingesetzt, um die Solarzellen weiter zu verbessern. Hierfür initiierte die IHK jüngst ein Nano-Cluster.

Aber nicht nur die Solarmodul-Hersteller sind in Stuttgart erfolgreich. Auch andere Branchen profitieren vom Run auf die Sonne. Ein Beispiel ist der Anlagenbauer M+W Zander. Seit dem Bau der ersten Photovoltaikfabrik im Jahr 2001 hat das Stuttgarter Unternehmen zahlreiche Fertigungsstätten für Solarzellen und-module geplant und gebaut.

Für Geschäftsführer Robert Gattereder gehört der Standort zu den Erfolgsfaktoren seiner Firma. "Aus der Tradition des deutschen Maschinenbaus hat sich hier ein Technologiezentrum entwickelt, das weltweit einzigartig ist." Um die Zukunft ist ihm nicht bange: Die Senkung der Einspeisevergütung für Solarstrom durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz sei akzeptabel: "Die Branche braucht den Konkurrenzdruck, um wachsen zu können. Schließlich bestehen nur die Besten auf dem Weltmarkt."

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