Q-Cells-Chef Anton Milner ist sauer auf die Bundesregierung. Ein „schwachsinniger Ansatz“ seien die Beschlüsse des Bundeskabinetts zur Senkung der Solarförderung. Doch trotz der schwindenden Subventionen hält der Solarunternehmer am Standort Deutschland fest - mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.
THALHEIM. Einen „schwachsinnigen Ansatz“ nennt Anton Milner, Chef des Solarunternehmens Q-Cells, die Beschlüsse des Bundeskabinetts von vergangener Woche, die Förderung des Solarstroms zu senken. „Dies gefährdet Wachstum und Arbeitsplätze vor allem bei den Installateuren der Photovoltaikanlagen“, sagt Milner dem Handelsblatt. „Die Politik schwächt den heimischen Markt. Die Industrie kann mit den neuen Sätzen klarkommen, aber man hätte besser zwei Jahre warten sollen.“
Das Bundeskabinett hatte in der vergangenen Woche beschlossen, dass die Vergütung für neue Solarstrom-Verträge von 2009 an stärker als geplant sinken sollen. Bisher waren fünf Prozent pro Jahr vorgesehen; die neuen Sätze sind um sieben bis neun Prozent niedriger.
Der Q-Cells-Chef sieht die Gefahr, dass die Politik den deutschen Solarmarkt schwächt und die stark in Deutschland produzierende Industrie ins Ausland treibt. Bislang ist Deutschland wegen der hohen Förderung der mit Abstand größte Solarmarkt der Welt. Doch in Mittelmeerländern wie Spanien und Italien, aber auch in den USA werden viele neue Solaranlagen gebaut.
Trotz der von Milner erwarteten schlechteren Marktaussichten treibt Q-Cells den Ausbau des Unternehmens kräftig voran. „Wir werden in den nächsten beiden Jahren jeweils rund 400 Mill. Euro investieren“, sagt Milner. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 62 Mill. Euro. Q-Cells baut eine Fabrik nach der anderen. Das Gelände am Stammsitz Thalheim in Bitterfeld-Wolfen nördlich von Leipzig gleicht einer riesigen Baustelle. „Die Branche wird langsamer wachsen, aber wir werden weiter hier investieren“, sagt Milner.
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Bereits jetzt gilt das 1999 von Milner mitgegründete Unternehmen als eines der am schnellsten wachsenden Solarunternehmen. 2005 wies Q-Cells einen Umsatz von knapp 300 Mill. Euro aus, 2006 waren es bereits 540 Mill. Euro, und 2007 sollen es deutlich über 800 Mill. Euro werden. Dadurch ist Q-Cells der zweitgrößte Hersteller von Solarzellen nach dem Japaner Sharp. Die Umsatzprognosen für 2008 und 2009 hat der Vorstand gerade auf 1,2 und 1,7 Mrd. Euro erhöht. Dabei gilt Q-Cells mit Ebit-Margen von über 20 Prozent als Ertragsperle, was den Börsenwert auf inzwischen knapp sieben Mrd. Euro getrieben hat.
Als Hauptgrund für den Erfolg von Q-Cells sehen Analysten wie Stephan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg die gute Versorgung mit dem knappen Rohstoff Silizium. Erst gestern hat Q-Cells mit dem chinesischen Produzenten LDK Solar einen langfristigen Liefervertrag über 43 000 Tonnen für die Jahre 2009 bis 2018 abgeschlossen. „Wir haben langfristige Verträge sowohl beim Einkauf des Siliziums als auch beim Verkauf der Solarzellen und müssen daher nur wenig über die teuren Spotmärkte einkaufen“, sagt Milner.
Ein Ende der Siliziumknappheit erwartet Milner erst im zweiten Halbjahr 2009, wenn neue Fabriken den Markt mit Silizium beliefern. Dann werden aber auch die Preise fallen. „Es ist ganz klar, dass dann auch eine Konzentration kommen wird“, sagt Milner. „Deshalb muss man die Kosten gut managen.“
„Dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen“, erwartet Analyst Droxner. „Q-Cells wird aber auf der Gewinnerseite sein, weil die Firma die Kosten schnell senkt und in neue Technologien investiert.“ So läuft in Thalheim derzeit die Fertigung der zukunftsträchtigen Dünnschicht-Technologie an, die für die Solarzellen wesentlich weniger Silizium benötigt. Außerdem baut Q-Cells über Partnerunternehmen seine Aktivitäten in anderen Produktionsstufen der Solarindustrie aus. Im nächsten Jahr steht auch der Börsengang des Joint Ventures Ever-Q an, bei dem Q-Cells mit einem Drittel beteiligt ist, auf der Agenda.
Milner hält es nicht für entscheidend, dass ein Solarunternehmen auf allen Stufen der Technologie vertreten ist, wie dies die Bonner Solarworld macht und wofür sie von vielen Analysten gelobt wird. „Es gibt zwischen den einzelnen Stufen wenig Synergien“, sagt der Q-Cells-Chef. „Wer voll integriert ist, kann die Margen der einzelnen Stufen besser ausgleichen, Spezialisten sind eher schwankungsanfällig.“ Aber auch Spezialisten hätten ihre Chancen.
Außerdem ist Q-Cells schon breit vertreten: An dem norwegischen Silizium-Hersteller REC hält die Firma eine Beteiligung von 17,2 Prozent und ist über andere Beteiligungen auch im Modulgeschäft aktiv. „Entscheidend ist das Management“, meint Milner. Und hier erhält Q-Cells bisher stets Bestnoten. „Q-Cells tickt wie ein Uhrwerk“, lobt Analyst Droxner.

