Suche nach Innovationen
Raumfahrer schaffen neuen Fonds für Risikokapital

Bratpfannen aus Teflon, Hochleistungsbrenner für die heimische Ölheizung, Brennstoffzellen fürs Auto. Was in der Raumfahrt entwickelt wird, schafft oft auch den Sprung zu einer irdischen Anwendung. Die Innovationen der Branche sollen nun die Grundlage eines Risikofonds bilden.
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MÜNCHEN. Zahlreiche Innovationen der Raumfahrt haben es in den kommerziellen Markt geschafft, weitere sollen folgen. Industrie und Wissenschaft wollen nun die Schätze heben, die als Patente oder noch nicht realisierte Erfindungen im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, den Max-Planck-Instituten oder den Laboren der Unternehmen schlummern.

"Die kommerziellen Anwendungen in der Raumfahrt und mit Hilfe der Raumfahrtinfrastruktur nehmen zu", sagt Hans Steininger, Chef des Augsburger Technologieunternehmens MT Aerospace. Er plant mit Hilfe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumbehörde Esa einen Risikofonds, der ganz gezielt Entwicklungen aus der Weltraumforschung fördern und vermarkten soll. "Wir wollen mit dem Fonds mittelfristig einen dreistelligen Millionenbetrag an Eigenkapital einsammeln", sagt Steininger im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ziel ist die Entwicklung und Vermarktung von Innovationen aus der Raumfahrtforschung für die Bereiche Energie, Sicherheit, Medizin, Verkehr und Luftfahrt. Das Geld soll von MT Aerospace, Finanzinvestoren und weiteren industriellen Partnern kommen.

Während in den USA fast alle großen Unternehmen solche Risikofonds betreiben, hält sich die deutsche Industrie bislang zurück. Lediglich Siemens unterhält eine eigene Risikokasse, mit dem "High-Tech-Gründerfonds" der Bundesregierung steht ein weiterer Förderer in Deutschland bereit. Obwohl Siemens, Bosch oder Carl Zeiss an Bord sind, stammt die Masse der Gelder aus Steuermitteln. Auch die MT Aerospace will die zahlreichen staatlichen Förderprogramme in Deutschland nutzen und damit das Eigenkapital des Fonds hebeln. Die Vision ist nicht neu: Bereits in den 80er-Jahren sammelte Daimler mit AEG, Dornier und MBB die gesamte deutsche Weltraumindustrie ein, um deren Forschung mit irdischen Anwendungen der Autoindustrie zu kreuzen. Doch der "integrierte Technologiekonzern" von Edzard Reuter zündete nicht.

OHB und MT Aerospace kaufen kräftig zu

Die Augsburger MT Aerospace und die Bremer Mutter OHB sind nach der EADS die Nummer zwei im deutschen Raumfahrtgeschäft. Das Gespann mischt seit Jahren die Branche kräftig auf: Während Daimler seine Anteile an dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kontinuierlich reduziert und MAN aus der Fertigung der Ariane-Raketen ausgestiegen ist, kaufen OHB und seine Augsburger Tochter kräftig zu. 2005 übernahmen Steininger und Fuchs die Raumfahrtsparte des MAN-Konzerns und profitieren nun vom Boom bei der Ariane-5-Rakete, für die MT Aeorospace die Tanks fertigt. 2008 machte das Unternehmen bundesweit Schlagzeilen, als die Augsburger mit einer milliardenschweren Transaktion die deutschen Airbus-Werke kaufen wollten - und erst im letzten Moment scheiterten. OHB-Chef Marco Fuchs gelang es zum wiederholten Male, den wesentlich größeren Satellitenbauer EADS Astrium auszustechen. So bauen die Bremer die Satelliten für das geplante europäische Satellitenprojekt Galileo und kommen gemeinsam mit Thales beim Bau der nächsten Generation der europäischen Wettersatelliten zum Zuge.

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