Suche nach Investoren
Chinesen klopfen bei GM an

Für einen Teilausstieg beim größten Autobauer des Landes, General Motors, benötigt die US-Regierung internationale Investoren. Die chinesische Shanghai Automotive Industry Corporation hat bereits ihr Interessen angekündigt. Doch aufgrund der aktuellen Situation gilt eine Beteiligung des staatlich kontrollierten Autobauers als kaum opportun.
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NEW YORK. China mischt sich beim geplanten Börsengang des größten US-Autokonzerns General Motors (GM) ein. Die staatlich kontrollierte Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) habe GM Avancen gemacht, einen Anteil im einstelligen Prozentbereich zu erwerben, berichteten US-Medien am Wochenende. Branchenexperten werten die Bekanntmachung als Versuch, die Stimmung auf dem politischen Feld zu testen.

Das US-Finanzministerium hat GM im Vorjahr mit rund 50 Mrd. Dollar Staatsgeld vor dem Aus gerettet und im Gegenzug 60 Prozent der Anteile übernommen. Jetzt steht Washington vor der pikanten Aufgabe, sich aus dem Abenteuer (teilweise) zu verabschieden. Dabei soll auf der einen Seite der höchstmögliche Emissionserlös erzielt werden, um den US-Steuerzahler zu entlasten. Das Finanzministerium hat jedoch auch betont, für den GM-Börsengang "schwerpunktmäßig nordamerikanische Investoren" zu suchen.

Eine milliardenschwere chinesische Beteiligung an der kernsanierten US-Ikone ist mit diesem Ziel schwer vereinbar. SAIC ist der größte Autokonzern Chinas, der vor Jahren bereits die britische Marke Rover übernommen hat. Seit der GM-Insolvenz halten die Chinesen auch die Mehrheit an der gemeinsamen Tochter Shanghai GM und betreiben darüber hinaus ein Joint Venture mit GM im Wachstumsmarkt Indien.

Die Annäherung an Detroit ist problematisch, denn der US-Kongress hat Finanzminister Timothy Geithner in der Vorwoche unter Druck gesetzt, Peking offiziell als Währungsmanipulator zu brandmarken. China wird vorgeworfen, den Kurs seiner Landeswährung künstlich niedrig zu halten, um den Export anzukurbeln. In diesem Spannungsfeld gilt die Beteiligung einer Staatsfirma aus Shanghai an einem ebenfalls staatlich kontrollierten Konzern aus den USA als kaum opportun.

Den neuen GM-Vorstandschef Dan Akerson bringt das in eine heikle Lage. Ohne die Mitwirkung internationaler Ankerinvestoren drohen sich die Hoffnungen der US-Regierung, bis zu 16 Mrd. Dollar einzuspielen, nicht zu erfüllen. Nach dem knapp 20 Mrd. Dollar schweren Börsenerlös des Kreditkartenanbieters Visa in 2008 soll die zum Jahresende geplante Rückkehr von GM an die Börse zur zweitgrößten Aktienplatzierung der US-Geschichte werden.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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