Suche nach Kleinfeld-Nachfolger
Cromme gerät selbst unter Beschuss

Die ungelöste Führungsfrage an der Spitze von Siemens belastet zunehmend auch die Position des neuen Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme. Bereits jetzt ist Cromme gezwungen, sich gegen Kritik an seiner Person zur Wehr zu setzen. Unterdessen geht die Suche nach einem Kleinfeld-Nachfolger weiter.

MÜNCHEN. „Mit jedem Tag, den diese Diskussion andauert, verliert das Unternehmen nach innen und außen an Vertrauen“, sagte ein Manager dem Handelsblatt.

Aufsichtsratschef Cromme reagierte auf die Welle von Spekulationen, die sich um einen möglichen Konzernumbau und die Führungsfrage ranken, mit einem Brief an seine Aufsichtsratskollegen. „Berichte über angebliche Überlegungen hinsichtlich der Struktur des Siemens-Vorstandes sind ebenso falsch wie Spekulationen über geheime Absprachen zwischen Herrn Huber und mir hinsichtlich der Bestellung des Personalvorstandes“, schrieb Cromme.

Die „Financial Times Deutschland“ hatte berichtet, IG-Metall-Vizechef Berthold Huber und Cromme hätten sich auf den Gewerkschafter und früheren SPD-Geschäftsführer Karlheinz Blessing als neuen Personalchef verständigt. „Herr Huber hat mich ausdrücklich ermächtigt, dies auch in seinem Namen richtig zu stellen“, schrieb Cromme weiter. „Auch die Namen möglicher Kandidaten für den Vorstandsvorsitz sind frei erfunden“, ließ Cromme seine Aufsichtsratskollegen wissen.

In Medienberichten war davon die Rede gewesen, Cromme habe eine Liste mit mehreren Namen erstellen lassen, auf der unter anderem Franz Fehrenbach, der Chef des Automobilzulieferers Bosch, stehe. Fehrenbach ließ mitteilen, er stehe nicht zur Verfügung.

Unternehmenskreise befürchten nach der Welle von Spekulationen, dass diese auch die Glaubwürdigkeit Crommes beeinträchtigen könnten. Im Umfeld des Unternehmens hieß es, Cromme sei vor wenigen Tagen intern auf einer Führungskräfte-Tagung in Feldafing am Starnberger See hart angegangen worden. Mit dem erzwungenen Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und der anschließenden Demission Kleinfelds habe Cromme „das Herz von Siemens“ herausgerissen, habe ein Teilnehmer Cromme direkt kritisiert.

Ein anderer habe wissen wollen, was den langjährigen Chef des Thyssen-Krupp-Aufsichtsrates überhaupt für die schwierige Aufgabe an der Spitze des Siemens-Kontrollorgans befähige. „Die Stimmung in der Management-Spitze ist verheerend“, hieß es aus Teilnehmerkreisen. andere Teilnehmer erklärten, Cromme habe hart und offen diskutiert, sei aber mit Beifall verabschiedet worden.

Fest steht, dass für den Aufsichtsratschef die Lösung der Führungsfrage absolute Priorität hat. Zwar gilt der heutige Linde-Chef Wolfgang Reitzle trotz seiner Absage noch immer als Favorit für die Kleinfeld-Nachfolge, doch könnte auch ein interner Kandidat das Rennen machen. Immer häufiger ist der Name von Med-Chef Erich Reinhardt zu hören. Der 60jährige Manager ist von Haus aus Professor für Elektrotechnik, er hat Auslandserfahrung, führt den Bereich Med und gehört dem Vorstand seit 2001 an. Reinhardt hat die Sparte Medizintechnik zu einer der erfolgreichsten im Konzern gemacht und ist auch intern sehr angesehen. Zudem gelten die Maßnahmen, die der Geschäftsbereich seit Jahren gegen Korruption ergriffen hat, auch außerhalb von Siemens als beispielhaft.

Unterdessen zog Siemens weitere personelle Konsequenzen. Kommunikationschef Janos Gönczöl erklärte seinen Rücktritt. Er galt als Vertrauter Kleinfelds. Nachfolger wird Stephan Heimbach, der Siemens schon lange verbunden ist und einige Zeit die Kommunikation der Deutschen Bahn verantwortete.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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