Suche nach neuen Partnern
Cerberus schafft sich freie Bahn bei Chrysler

Der angeschlagene Mehrheitseigentümer Cerberus verschafft sich mit der anstehenden Komplettübernahme von Chrysler endgültig freie Hand für eine Partnerschaft oder einen Käufer. In Branchenkreisen wird erwartet, dass der Finanzinvestor mit dem Kauf der restlichen Daimler-Anteile an dem verlustreichen US-Hersteller den Boden für eine größere Veränderung bei Chrysler bereitet.

STUTTGART/FRANKFURT. In Unternehmenskreisen hieß es am Donnerstag, dass der Schritt eine globale Partnerschaft mit einem anderen Hersteller deutlich erleichtern würde. Der Minderheitsanteil von Daimler habe bisher potenzielle Interessenten abgeschreckt, da die Stuttgarter stets Zugang zu dem vertraulichen Informationsaustausch zwischen Chrysler und anderen Verhandlungsparteien gehabt hätten. Chrysler-Boss Robert Nardelli sucht dringend neue Partner für den kriselnden US-Autobauer.

Analysten schlossen dagegen nicht aus, dass Cerberus, das neben Chrysler auch die GM-Finanzsparte GMAC als Verlustbringer in den Büchern hat, mit dem Kauf der restlichen Anteile auch erste Vorbereitungen für einen Ausstieg aus Chrysler treffen könnte: Für einen potenziellen Investor seien 100 Prozent an dem Unternehmen deutlich attraktiver als eine Mehrheit, da dies den vollen Durchgriff garantiere. "Die Renditevorgaben in der Private-Equity-Branche zwischen 20 und 30 Prozent kann Cerberus nur mit einem Komplettverkauf oder einer Zerschlagung von Chrysler realisieren", sagte ein Autoanalyst, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Daimler hatte am Mittwoch überraschend mitgeteilt, dass der Hersteller mit dem neuen Mehrheitseigentümer Cerberus über eine Veräußerung des Restanteils von 19,9 Prozent an den Finanzinvestor verhandele. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen sind die Gespräche bereits weit fortgeschritten. Die Stuttgarter hatten im August 2007 schon 80,1 Prozent an dem US-Autobauer an Cerberus verkauft.

Daimler und Chrysler waren 1998 unter dem damaligen Daimler-Boss Jürgen Schrempp zum Daimler-Chrysler-Konzern fusioniert. Nach Milliardenverlusten hatte Schrempps Nachfolger Dieter Zetsche jedoch neun Jahre später die Notbremse gezogen, an einem Minderheitsanteil aber festgehalten, dessen Wert mittlerweile in den Büchern auf gerade noch 171 Mill. Euro geschmolzen ist. Experten rechnen deshalb nicht damit, dass Cerberus Zetsche noch viel für die Beteiligung zahlen wird. Christian Breitsprecher, Analyst bei Sal. Oppenheim erwartet, dass Daimler lediglich einige seiner Kredite oder Zusagen in Milliardenhöhe zurückbekommen werde.

Chrysler-Chef Nardelli erhält mit dem endgültigen Abschied von Daimler nun neuen Spielraum für seine angestrebte Partnersuche. Im April hatte das Unternehmen bereits verkündet, mit Nissan Kleinwagen und Pick-ups zu produzieren - eine Zusammenarbeit, die möglicherweise auf Mittelklassewagen ausgedehnt wird. Chrysler lehnt sich damit immer stärker an den französisch-japanischen Autokonzern Renault-Nissan an. Dessen Chef Carlos Ghosn hatte sich im Jahr 2005 schon einmal vergeblich um eine Allianz mit dem amerikanischen Wettbewerber General Motors bemüht.

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