Südkorea
Haftbefehl gegen Hyundai-Chef beantragt

Südkoreas Staatsanwaltschaft hat einen Haftbefehl gegen Hyundai-Chef Chung Mong Koo beantragt. Gegen ihn wird der Verdacht auf millionenschwere Veruntreuung von Firmengeldern erhoben. Die Hyundai-Aktie ging sofort in den Keller.

HB SEOUL. Der Boss des weltweit siebtgrößten Autokonzerns soll Amtsträger für politische Gefälligkeiten geschmiert haben. Analysten befürchteten, die mögliche Verhaftung von Chung könnte Hyundai Motor ein Machtvakuum an der Führungsspitze bescheren und den Konzern in seiner globalen Expansionsstrategie zurückwerfen. Die südkoreanische Regierung versuchte Investoren zu beruhigen und versicherte, die Auswirkungen auf den Standort Südkorea blieben gering. Hyundai-Aktien verloren nach der Mitteilung der Staatsanwaltschaft rund drei Prozent.

„Wir haben beschlossen, Chung festzunehmen wegen des Verdachts, eine Schmiergeldkasse von 100 Milliarden Won (etwa 85 Millionen Euro) eingerichtet und dem Unternehmen durch die Verletzung von Treuhänderpflichten einen Schaden von 300 Milliarden Won zugefügt zu haben“, sagte Chae Dong Wook als Vertreter der Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor Journalisten. Auch gegen Chungs Sohn und Chef der Hyundai-Tochter Kia Motors, Chung Eui Sun, solle Anklage erhoben werden.

Ein Haftbefehl gegen ihn sei aber nicht nötig. Der Staatsanwalt schloss weitere Haftbefehle gegen Hyundai-Manager nicht aus. Ein Sprecher von Hyundai lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab. In einer Börsenmitteilung blies der Konzern die für Donnerstag geplante Veröffentlichung seiner Zahlen für das erste Quartal ab, ohne einen neuen Termin zu nennen.

Analysten äußerten sich besorgt über die Zukunft der mit einem Börsenwert von derzeit 20 Milliarden Dollar fünftgrößten Aktiengesellschaft des Landes. „Die Ereignisse könnten das Tempo von Hyundai Motors Globalisierung verlangsamen“, sagte Lim Chang Gue von Samsung Investment Trust Management. Eine Festnahme von Chung könnte ein Vakuum im Management verursachen.

Andere Analysten zeigten sich dagegen erfreut über die Untersuchung, die ihrer Ansicht nach eine bessere Einhaltung der Regeln guter Unternehmensführung (Corporate Governance) in den Konzernen Südkoreas nach sich ziehen könnte. In dem asiatischen Land sind viele Unternehmen stark von Klüngel und Großfamilien geprägt, wofür es auf koreanisch auch ein eigenes Wort gibt: Chaebol.

Auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft reagierte auch die Regierung. „Wir denken, es wird unausweichlich einen Einfluss auf die Wirtschaft haben, aber der wird nicht so gewaltig ausfallen“, sagte Finanzminister Han Duck Soo. Die Exporte von Hyundai Motor und Kia machen fast zehn Prozent der gesamten Ausfuhren von Südkorea aus, der viertgrößten Volkswirtschaft in Asien.

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