Südkorea
Keine Atempause, es geht voran

Südkorea ist der Aufsteiger in Ostasien, die Stärke seiner Unternehmen macht mittlerweile vielen Wettbewerber in der Welt Sorgen. Samsung hängt Apple bei den Smartphones ab, Hyundai nötigt VW Respekt ab. Und die größte Werft der Welt liegt  - in Südkorea. Ein Blick in ein Land, das vor allem eines kennt: Geschäfte machen.
  • 10

Seoul/UlsanDas weiße Wollknäuel in dem kleinen Glaskasten bewegt sich nicht. Genauso wenig wie das braune, schwarze und beige Wollknäuel in den Kästen nebenan. Ermattet liegen die Hundewelpen auf Glas und schauen durch Glas hindurch. Ein blassblauer Herbsttag in Südkoreas Hauptstadt Seoul, vor dem Schaufenster sind Touristen stehen geblieben und starren leicht angewidert und mitleidig auf die Vierbeiner. In diesem Viertel gibt es viele solcher Tierquälereien zu sehen. Nach dem Hunde-Laden kommt der nächste Hunde-Laden und dann noch einer und noch einer. In Seoul nennen sie diese Straße einfach nach dem, was sie ist, die Hundestraße. So wie die Nachbarstraßen Möbelstraße oder Druckerstraße heißen, weil in der einen Stühle gebaut oder besser gesagt, perfekt kopiert werden und weil in der Druckerstraße in jeder noch so kleinen Hütte gedruckt wird.

Rund um die Druckerstraße riecht es nach Lösungsmittel, das sich ätzend auf die Lungen legt. Im Hundegeschäft lächelt die Verkäuferin soeben noch und ruft dem Eintretenden ein paar nette Sätze zu - bis sie erkennt, dass er nicht kaufen, sondern nur gucken will. Da verlässt die Freundlichkeit ihr rundes Gesicht wie Luft einen geplatzten Ballon. In Südkorea wird Geschäft gemacht, Geschäft gemacht und nichts als Geschäft gemacht. Ein Land will nach oben, ganz direkt und unsentimental. Und das gelingt ihm.

Warum? Eine Reise von Seoul nach Ulsan im Süden des Landes und zurück erzählt eine Geschichte, die mit Staatswirtschaft, mit Hunger nach Wohlstand und nicht zuletzt auch mit einer Nation zu tun hat, zu der die Südkoreaner eine schwierige Beziehung pflegen: mit Japan. „Sie sind Deutscher?“, ruft die Verkäuferin. „Oh, ich möchte auch einmal nach Deutschland“. Deutsch spricht sie nicht, dafür aber Englisch und fließend Japanisch.

Si-Yong ist Mitte zwanzig, sie bedient in einem Klamottenladen im beliebten Einkaufsviertel Myeong-dong, sie trägt ein rotes Wollkleid über der Jeans und ist nicht ganz so modisch wie ihre Kundinnen aus dem Nachbarland. Die kommen täglich mit dem Flugzeug in großer Zahl, auf der Suche nach Schnäppchen. Oder sie wandern auf den Spuren ihrer Idole aus den in Japan äußerst populären koreanischen TV-Seifenopern oder Pop-Bands. „70 Prozent unserer Kunden kommen aus Japan“, sagt Si-Yong.

In Läden wie dem Si-Yong landen sie zuhauf, meist weil sie von ihren Kollegen draußen vor der Tür hineinmanövriert werden. Die sprechen ebenfalls Japanisch und drücken den potenziellen Kundinnen draußen ein kleines Geschenk in die Hand, dann schieben sie sie sanft ins Innere. Japanerinnen, das weiß man in Myeong-dong nur zu genau, sind viel zu höflich, um einfach nur das Geschenk einzustecken.

Japanische Konsum-Touristen sind eines der wirtschaftlichen Standbeine Koreas. Das andere sind ein paar sehr erfolgreiche Industriezweige, in denen die Koreaner der Welt Respekt abnötigen. Ihre Protagonisten heißen Hyundai, Samsung oder LG – und haben den Toyotas oder Panasonics teilweise bereits den Rang abgelaufen. Südkorea und Japan, da sind zwei sehr unterschiedliche asiatische Nationen, verbunden durch eine unselige 35-jährige Besatzungszeit. Sie sind heute einander Kunden und Rivalen zugleich - vereint in misstrauischer Abwehrhaltung gegen die jeweils andere Volksgruppe.

Kommentare zu " Südkorea: Keine Atempause, es geht voran"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schlechter Artikel. Hätte vor 10 Jahren geschrieben worden sein können, und man würde es fast nicht merken.
    Noch eine kleine Anmerkung: Die größten Langweiler, die mir bisher bei Geschäftsessen untergekommen sind, sind die Bundesdeutschen - wollen nur diskutieren. Koreaner hingegen sind äußerst gesellig und (man vergleiche wieder mit dem Bundesbürger) lustig!

  • Ja, Seoulman, stimme zu: dieser Artikel ist offenbar nnur fuer Leser gedacht, die keinen blassen Schimmer von Suedkorea haben. Im Gegensatz zu Ihnen erlebe ich die Menschen dort keineswegs als xenophob und die Kueche (ausserhalb von Seoul, natuerlich) als excellent. Ich habe heute kritisch kommentiert (s.unten) und werde dem Autor noch direkt einen langen Brief schreiben, in dem ich jeden einzenen Satz mit Daten und Fakten zerfluecke. Als Chefredakteur wuerde ich ihn wg. Nichtbeherrschung des journalistischen Handwerks in den Vetrieb versetzen. Carsten haertl, manager in Korea von 2003-2007

  • Seit 2002 gehe ich in Suedkorea ein und aus, fast 5 Jahre davon habe ich dort gelebt und gearbeitet. Der Autor zeichnet mit seiner Reportage ein hass-erfuelltes, fast demagogisch konstruiertes Zerrbild von Suedkorea. Ein Duktus, als wuerde er von einen "Japanischen Ministerium fuer antikoreanische Propaganda", wenn es ein solches gaebe: Die eiskalten Business-Roboter, die ueber leichen gehen, um unser gemuetliches Wirtschaften in Euroland schwer machen. Gegen journalistische Freiheit kann man nichts einwenden. Seine Bewertungen und Schlussfolgerungen beruhen jedoch oft auf Ignoranz von Daten und Fakten. Von einem Journalisten, der fuer handelsblatt schreibt, koennte man zumindest erwarten, dass er vor der Veroeffentlichung die verfuegbaren Quellen fuer seine Negativsicht prueft. Nur eines von gefuehlten 200 Ungeheuerlichkeiten: die Gewerkschaften wuerden dort "teilweise unterdrueckt". Fakt ist, dass Suedkorea das deutsche Kollektiv-Arbeitsrecht fast 1:1 uebernmommen hat und auch bei den Novellen zu fast identischen Loesungen kommt. Nur dass dort die Gewerkschaften in der betrieblichen Praxis deutlich machtvoller und aggressiver vorgehen, gedeckt durch ausgesprochen arbeitnehmer-freundliche Arbeitsgerichte. Ohne die ganze Welt zu kennen, ist es sicher einer der gewerkschaftsfreund-lichsten Industrielaender. Das Land sei "arm", heisst es da: Die Kaufkraft der Koreaner liegt deutlich ueber der der Italiener und ueberholt dieses oder naechstes Jahr die der Japaner, mit weiter steigender Tendenz. Gleichzeitig betraegt die Staatsverschuldung nur 32% des BIP (die Japoans 200%!!!), die Waehrungsreserven pro Einwohner sind die hoechsten weltweit, die Kassen der Kommunen und anderen Gebietskoerperschaften sind prall gefuellt (mit Ueberschuessen).Und der Wohlstand ist dank Vollbeschaeftigung auch noch skandinavisch-egalitaer verteilt (s. Gini-Koeffizient). Das, Herr Keuchel, bezeichnen Sie also als "arm".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%