Superjet 100
Russlands Hoffnungsflieger vom Radar verschwunden

Der russischen Luftfahrtindustrie droht ein Imagedesaster: Eine Superjet-100-Maschine ist in Indonesien auf einer Werbetour vermutlich abgestürzt. Der Hersteller versichert: Es gab zuvor keine technischen Probleme.
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Jakarta/MoskauDer 9. Mai ist ein stolzer Tag für Russland. Das Datum steht für den Sieg über Nazi-Deutschland, jährlich wird es mit Militärparaden im ganzen Land gefeiert. In diesem Jahr sollte der 9. Mai auch in Indonesien zum russischen Festtag werden. Der neue Superjet-100, das erste in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entwickelte Passagierflugzeug, war auf seiner Werbetour durch Asien in dem Inselstaat angekommen. Am Ende sollten neue Verträge stehen. Doch die Maschine verschwand bei einem Schauflug vom Radar. Die Behörden rechnen mit dem schlimmsten.

Zuvor war die Mittelstreckenmaschine Vertretern von Fluggesellschaften und Regierungen in Kasachstan, Myanmar und Pakistan präsentiert worden. In Indonesien hatte der Superjet bereits im vergangenen Jahr Gefallen gefunden: Damals schloss ein Charterunternehmen einen Vertrag über zwölf Maschinen im Gesamtwert von 379 Millionen US-Dollar ab. Nächste Stationen der aktuellen Vorführungs-Tour sollten Laos und Vietnam sein.

Eine erste 30-minütigen Runde hatte der Superjet heute über Indonesien absolviert. Doch dann landete die teils mit westlicher Technik ausgestattete Maschine nicht zur vorgesehenen Zeit auf dem Flughafen von Jakarta. Hinweise auf Probleme habe es zuvor nicht gegeben, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Maschine sei von dem Piloten gesteuert worden, der auch beim Jungfernflug vor beinahe drei Jahren das Kommando hatte, hieß es in einer Mitteilung. An Bord befanden sich neben Mitarbeitern des Flugzeugherstellers und russischen Botschaftsmitarbeitern vor allem potenzielle Kunden - Vertreter der indonesischen Fluggesellschaften.

Am späten Abend sagte ein Vertreter des indonesischen Superjet-Partners PT Trimarga Rekatma, dass laut russischer Botschaft in Jakarta insgesamt 50 Personen an Bord gewesen seien. Neben acht Crew-Mitgliedern seien 42 Gäste an Bord gewesen. Ein russischer Fotograf hatte Glück: Er hatte die Werbetour in den vergangenen Tagen begleitet, sich aber heute entschieden, Bilder der Maschine von außen bei Start und Landung zu schießen.

Was genau geschehen ist, war zunächst unklar. Das Flugzeug sei über Westjava im Sinkflug bis auf 2000 Meter heruntergekommen und dann vom Radar verschwunden, hieß es. Das indonesische Militär erklärte, die Maschine sei regelrecht vom Himmel gefallen. „Wir suchen noch danach“, sagte der Chef der indonesischen Luftfahrtbehörde, Herry Bakti Singoyudha. „Wir wissen nicht, was passiert ist.“ Das Flugzeug sei in der Gegend des rund 2200 Meter hohen Vulkans Salak nahe der Hauptstadt Jakarta vom Radarschirm verschwunden, sagte Singoyudha. Kurz zuvor habe die Besatzung darum gebeten, die Flughöhe von 10 000 auf 6000 Fuß (rund 3000 auf 1800 Meter) verringern zu dürfen.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Na da könnte dock Gas-Gerd mit Koppelverträgen dem Absatz auf die Beine helfen. Gas nur noch wenn "Super"-Flieger dazu gekauft werden. Das ist doch typisch für Gas-Gerd!

  • Siehe http://aviation-safety.net/database/record.php?id=19880626-0
    IIRC gab es ein auch Problem mit dem Airbus Fly-by-wire System welches vom Piloten unbemerkt in den Flare-Modus geschaltet hatte.
    Jedenfalls eine dumme Idee mit einem Jet Stalls in 100ft Höhe zu provozieren. ;)

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