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09.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 17:17 Uhr 
Windenergie-Branche

Suzlon taktiert bei Repower weiter

von Markus Hennes

Nach der gewonnenen Schlacht gegen Areva hat der Indische Familienkonzern Suzlon die Oberhand beim Hamburger Windturbinenbauer. Und Insider vermuten, dass Suzlon seine Anteile zur Zeit weiter aufstockt. Die Inder wollen anscheinend den Wachstumsmarkt Windenergie aufrollen.

Tulsi Tanti ist der Chef des indischen Suzlon-Konzerns. Foto: dpaLupe

Tulsi Tanti ist der Chef des indischen Suzlon-Konzerns. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Was wird aus Repower? Nachdem sich der französische Atomkonzern Areva jetzt vollständig aus dem Hamburger Windturbinenbauer zurückgezogen hat, spekulieren Börsianer offenbar darauf, dass der indische Mehrheitsaktionär Suzlon Energy weitere Aktien über die Börse erwerben und Repower enger an die Kandare nehmen wird.

Nur so ist zu erklären, warum sich der Repower-Kurs stabil über der Marke von 200 Euro hält. Dabei haben die Inder das 29,9 Prozent große Aktienpaket von Areva zum Preis von 170 Euro je Aktie oder insgesamt 460 Mill. Euro übernommen, wie es in Verhandlungskreisen heißt. Ein Suzlon-Sprecher wollte diese Informationen nicht bestätigen. Allerdings sagte er: „Der Preis, den Suzlon Areva gezahlt hat, orientiert sich nicht am aktuellen Börsenkurs.“

Zu Beginn des vergangenen Jahres hatten sich Areva und Suzlon eine monatelange Übernahmeschlacht um Repower geliefert. Ziel der Franzosen – bereits seit September 2005 beim viertgrößten deutschen Windradhersteller engagiert – war es, neben Kernkraftwerken ein zweites Standbein im Bereich kohlendioxidfreier Stromerzeugung aufzubauen und außerdem vom weltweiten Boom in der Windenergiebranche zu profitieren.

Für Tulsi Tanti, Großaktionär und Vorstandschef der indischen Familienkonzern Suzlon, ging es dagegen vor allem darum, mit dem Kauf von Repower unter die fünf größten Windturbinenbauer der Welt vorzustoßen und sich das Know-how Repowers beim Bau für besonders leistungsfähige Windturbinen für den Einsatz im offenen Meer zu sichern. Für den sogenannten Offshore-Bereich prognostizieren Experten mittelfristig ein starkes Wachstum.

Suzlon behielt am Ende die Oberhand. Beim letzten freiwilligen Gebot in Höhe von 150 Euro je Aktie gaben die Franzosen auf. Über einen Poolvertrag mit dem portugiesischen Baukonzern Martifer, der 23 Prozent der Anteile hält, und Areva verfügen die Inder zwar bereits seit einem Jahr über 86,5 Prozent der Stimmrechte. Am Grundkapital von Repower ist Suzlon aber auch nach der Übernahme des Aktienpakets von Areva nur mit 63,5 Prozent beteiligt. Deshalb kann Tanti auch nicht direkt ins operative Geschäft der deutschen Tochter hineinregieren.

Für eine vollständige Kontrolle nach dem Aktienrecht ist ein Beherrschungsvertrag erforderlich. Ansonsten würde sich der Repower-Vorstand strafbar machen, wenn er Anweisungen aus der Suzlon-Zentrale im Mumbai folgt. Bei Abschluss eines solchen Beherrschungsvertrags entstünden jedoch zusätzliche Kosten. So müssten die Inder den freien Repower-Aktionären ein Abfindungsangebot im Rahmen des Beherrschungsvertrags machen, das auf dem Firmenwert und dem Durchschnittskurs der Repower-Aktie der vergangenen Monate basiert, wie ein Rechtsexperte erläutert.

Für Suzlon wäre es beim aktuellen Repower-Kurs wenig lukrativ, weitere Aktien über die Börse zu erwerben. Ohnehin läuft in einem Jahr die Verkaufsoption von Martifer ab, dann könnten die Inder ihren Aktienanteil von 63,5 Prozent auf 86,5 Prozent aufstocken. Zu welchem Preis die Portugiesen das Aktienpaket an Suzlon abgeben werden, ist nicht bekannt. Tulsi Tanti könnte dann immer noch entscheiden, ob er tatsächlich einen Beherrschungsvertrag mit Repower abschließen wird. Im Mai 2007 hatte er jedoch angekündigt, Repower solle unabhängig bleiben.

Areva hat nach eigenen Angaben beim Verkauf der Repower-Aktien einen Buchgewinn von 350 Mill. Euro erzielt. Das Geld soll in den Ausbau der Offshore-Aktivitäten fließen. Im September 2007 hatte Areva den deutschen Windturbinenbauer Multibrid erworben.

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