Suzuki-Übernahme
„Tanker VW ist sinkbar“

Suzuki passt nach Ansicht des Automobilwissenschaftlers Stefan Bratzel hervorragend zu Volkswagen. Allerdings betrachtet der Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach die Integration von Porsche und Suzuki auf dem Weg zur Welt AG als "Herkules-Aufgabe". Trotz der berechtigten Euphorie warnt er vor Gefahren.
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Handelsblatt: Herr Bratzel, passen Suzuki und Volkswagen zusammen?

Stefan Bratzel: Ich glaube, dass Suzuki hervorragend zu Volkswagen passt. Denn die Japaner haben die Kompetenz für den Bau von Kleinwagen zu niedrigen Kosten, die VW fehlt, aber so dringend benötigt. Außerdem ist Suzuki ein Türöffner: Der Autobauer hat in Indien einen Marktanteil von 50 Prozent und ein hohes Marktverständnis in Südostasien. Suzuki wiederum profitiert von Volkswagens Entwicklungskompetenz. Nun muss die Integration auch von beiden Seiten gemanagt werden. VW muss dabei Suzukis Kompetenz bewahren.

Sind Sie überrascht, dass der Einstieg schon jetzt erfolgt?

Nein, nicht besonders. Krisenzeiten bringen große Veränderungen in der Branche. Wir erleben derzeit einen Paradigmenwechsel in der Autoindustrie. Da ergeben sich große Chancen.

Sind die Lenker in Wolfsburg derzeit nicht schon mit der Integration von Porsche vollauf beschäftigt?

Die Integration von Porsche und Suzuki vernünftig hinzubekommen, ist eine herkulessche Aufgabe. Volkswagen muss sich vor dem Titanic-Syndrom schützen und darf sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Bei großen Fehlern ist der Tanker sinkbar. Das dürfen sie in Wolfsburg bei aller berechtigten Euphorie nicht vergessen.

VW-Chef Martin Winterkorn versucht nun das zu verwirklichen, woran der ehemalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp gescheitert ist. Wird er mit seiner Welt AG mehr Erfolg haben?

Der Schritt ist der richtige. Schrempp hat ihn allerdings falsch umgesetzt. Volkswagen geht das besser an als Daimler damals, die Entwicklung verläuft organischer. Sie haben sich zum Beispiel bei Audi die nötige Zeit genommen. Auch bei Porsche fängt VW nun ja nicht bei Null an.

Bewältigt VW diesen Schritt finanziell problemlos?

Auch das Jahr 2010 wird für die Autobranche sehr schwierig. In dieser Situation ist es sehr wichtig, ausreichend Cash für den Krisenfall zurückzulegen. Die Größenordnung des Suzuki-Einstiegs ist aber zu bewältigen und der neue Partner ist kein Sanierungsfall.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter

Kommentare zu " Suzuki-Übernahme: „Tanker VW ist sinkbar“"

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  • es ist sicher eine herausragende managementleistung trotz der stärke der iGM und des landes NS eine solche vorwärtsstrategie umzusetzen.
    allerdings bleibt offen wie eine notwendige konsolidierung erfolgen kann - insbesondere wenn sie in deutschland erfolgt.
    das größte risiko liegt m.e. in der dominanz von herrn pierch - um ihn herum sind wohl überwiegend erfüllungsgehilfen.

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